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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher400 gabrielle sollte am 29. vorigen monats in carlsbad eintreffen, der hof sollte heute nach Wien abreisen, aber die erzherzoginn, welche seit einem Jahre wie verrückt ist, sitzt noch in turin und sagt nach ihrer gewohnheit niemand, wann sie kommen wird. sie war, kaum von turin zurückgekom- men, vor ungefähr 14 tagen knall und fall wieder ganz allein dahin ab- gefahren auf die kunde eines unwohlseyns des königs (desselben königs, welchen sie früher während 20jährigem Aufenthalte in mailand einmal auf ein paar stunden in monza sah), welcher ihr übrigens noch unterwegs ei- nen courier entgegensandte, um sie zu versichern, daß er schon völlig wohl sey. Bey allem dem spielt der erzherzog eine sonderbare rolle, wie über- haupt überall und immer. letzthin war ich meines Avancements wegen bey ihm und seinen hofräthen. solche nothgedrungenen scharwenzeleyen und kriechereyen verstimmen mich immer auf einen ganzen tag. das theater ist aus, und es scheint endlich sommer werden zu wollen, jedoch erst seit gestern, bisher hatten wir von hitze noch keine spur. ge- stern war der könig von Würtemberg hier, auch Pascotini’s von venedig sind hier, von montecuccoli sieht und hört man nichts. in politicis ist spanien nun im vordergrund und die unerklärliche, unmo- tivirte, heillose Revolution gegen Espartero. Doch verzweifle ich noch nicht an seinem siege,1 seine Proclamation an das volk war schön und männlich, ich bin der einzige aber eifrige esparterist hier in unserem kreise und habe deßwegen häufige Sträuße zu bestehen. Nicht als ob ich ihn für eine absolute größe hielte, wohl aber seine regierung für die beste, welche spanien seit 300 Jahren gehabt und unter seinen jetzigen verhältnissen haben kann. in serbien haben kara georgiewitsch, Wuczitsch und Petroniewitsch den russen eine nase gedreht, indem sie es dahin brachten, daß Baron lie- ven einwilligte, daß sie bis nach vollendeter fürstenwahl im lande blieben. kara georg führt die regierung wenigstens faktisch fort, und da ist wohl kein Zweifel, daß er wieder gewählt wird.2 ich glaube, daß der russische kaiser lieven’s verfügungen in kurzem désavouiren wird. denn sie para- lysiren den russischen moralischen Einfluß, um dessen willen doch Alles bisher geschehene geschah, da diese concessionen so ziemlich wie abge- trotzt erscheinen. 1 der im mai 1843 ausgebrochene Aufstand gegen die regentschaft von general Baldomero espartero herzog v. victoria endete mit dessen niederlage und seiner flucht nach england im Juli 1843. 2 die Wahl des serbischen fürsten musste über russischen druck wiederholt werden, sie fiel neuerlich auf Alexander Karageorgević. Seine beiden mächtigsten Berater Toma Vučić Perišić und Avram Petronijević, die maßgeblich am Sturz von Michael Obrenović im Sep- tember 1842 beteiligt waren, mussten jedoch im August 1843 über russischen druck ser- bien verlassen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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