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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher420 wurde Wagen gewechselt, nämlich der taxis’sche gegen einen preußischen eilwagen, was schon einmal 2 volle stunden dauerte. dazu kam, daß ich, da ich ein ziemlich hohes numero hatte, in eine Beychaise zu sitzen kam, welche auf jeder station gewechselt wird, daher Aufenthalt und gêne ohne ende. um 3 waren wir in Weimar, wovon ich bey nacht nichts Andres sah als die schönen Alleen und Anlagen in der stadt wie in gotha (oder Johde, wie die sachsen sagen), dann wurden die Berge immer steiler und das fah- ren immer schlechter. gegen 8 uhr morgens waren wir in naumburg, und von da immer bergauf, bergab über Weissenfels nach lützen, und endlich an dem monumente gustav Adolph’s vorüber kamen wir nach 3 in leipzig an. dort hatte ich bloß Zeit, mich in aller eile zu waschen und rasiren zu lassen, dann einen Bissen zu essen, und lief dann zur eisenbahn, welche um 4 abging. Auch da gab es unfälle, eine locomotive verdarb unterweges, und wir mußten ziemlich lange stille halten, bis sie ausgebessert war, und endlich eine andere vorspannen etc., so war es 1/2 9, als wir in dresden waren. üb- rigens ist die Bahn sehr schön und mit überwindung großer terrainhinder- nisse gebaut. das beständige hügelland machte ungeheure erdarbeiten, einschnitte, Aufdämmungen und durchlässe und ganz nahe von hier einen ziemlich langen tunnel nothwendig, einer Brücke über die elbe nicht zu gedenken. hier stieg ich in der stadt Berlin ab und ging heute früh mit dem lohn- bedienten aus, um die stadt zu besehen. diese ist wirklich sehr schön, und Alles spricht von der Prachtliebe, freylich auch von der beyspiellosen ver- schwendung des churfürsten August (königs von Polen) und seines günst- lings Brühl sowie seiner vielen Maitressen (Gräfin Kosel, Königsmark etc.). hauptsächlich sehenswerthe gebäude sind die gemäldegallerie, die tho- mas- und die katholische kirche, das japanische Palais, das Blockhaus, der kosel’sche Palast, der Brühl’sche sammt der berühmten terrasse an der elbe und vor allem der Zwinger, sogenannt ich weiß nicht warum, es sollte die residenz werden, ist aber nicht vollendet und dient zur Aufbewahrung der münz- mineralien- naturalien- u.a. sammlungen. Alles von August er- baut und im etwas überladenen style seiner Zeit. dann das theater, die Post etc. um 11 uhr ging ich in die katholische kirche, um die berühmte kirchenmusik zu hören, ich fand sie recht schön, aber nichts Besonderes, doch fielen mir die Einrichtungen darin auf. Männer und Frauen sind ge- trennt, und 2 wie Portiers angethane küster (wie in frankreich) gehen herum und erhalten die ordnung auf das Allerstrengste. in der mitte der kirche darf sich niemand aufhalten. nachher sah ich die Wachparade, aß um 1 uhr zu hause an der table d’hôte, ging nachher in die kunstausstellung, wo es mehrere recht hübsche
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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