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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 443 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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4438. Oktober 1843 jedem hause standen 1 oder 2 mägde, die mit einer Art von spritzen thü- ren, fenster und Wände besprengten und wuschen. um 8 fuhren wir ab, ich erinnere mich lange keine so angenehme Was- serfahrt gemacht zu haben, eine gegend ganz wie die landschaften der hol- ländischen mahler, zu beyden seiten und beynahe au niveau des flusses üppige, fette Wiesen mit einer unzahl von weidendem rind- und schafvieh, mitunter auch Pferde, welche Alle bis zum spätherbst tag und nacht im freyen bleiben. dazwischen häufig Baumpflanzungen und nette dörfer, eine menge canäle, größere und kleinere, die das land in jeder richtung durch- ziehen, und in der mitte die ungeheuere Wassermasse, auf der wir fuhren, und darauf eine masse von dampf- und segelschiffen, die je mehr wir uns rotterdam näherten, um so bedeutender wird. in ganz holland gibt es bloß Wiesenkultur, der Boden ist zu morastig, um eine andere zu vertragen. käse, Butter und milch sind daher fast die ein- zigen einnahmen von grund und Boden, doch sind diese sehr bedeutend. holz wird nur zur gewinnung des reisigs und der faschinen angepflanzt, deren sie zu ihren Wasserbauten in so ungeheuerer menge bedürfen, selbst der strom, auf dem wir fuhren, war zu beyden seiten mit faschinenwerken eingefaßt, und von Zeit zu Zeit waren große sporen von demselben materi- ale in denselben hinein gebaut, damit es das uferland nicht abreiße. Alles getreide, das holland braucht, wird in der Provinz seeland gebaut. in nord- holland und texel werden den schafen säcke unter den schweif gebunden, um ihren unrath zu sammeln, aus welchem man dann käse macht, d.h. man preßt ihn aus und mischt den saft in den käse, welcher davon grün wird und sehr gut und piquant seyn soll. guten Appetit dazu. Wir kamen nach einander bey thiel, Bommel, gorcum und dordrecht vor- bey, bey gorkum vereinigt sich die maas mit der Waal, und kurz vor rot- terdam die Yssel. Wir waren um 3 in rotterdam. der Anblick der stadt ist imposant durch die menge der schiffe und dampfboote und durch die größe der Arsenale und Werften, an denen man vorüberkömmt. doch herrscht hier, wie in ganz holland, eine große stagnation und Abnahme des handels und also auch der schifffahrt, durch die trostlosen finanzverwickelungen des staates (durch welche könig Wilhelm seinen Beynahmen der Beharr- liche erkaufte, kleine diebe hängt man, große läßt man laufen)1 und auch wohl noch durch andere ursachen hervorgerufen, in rotterdam ist diese noch weniger fühlbar als anderswo, da hier die immer zunehmende dampf- schifffahrt zum theile aushilft. es ist eine große, schöne stadt, so bewegt 1 könig Wilhelm i. hatte im oktober 1840 zugunsten seines sohnes auf den holländischen thron verzichtet und war als herzog von nassau nach Berlin übersiedelt. Während der staat hoch verschuldet war, besaß er selbst ein großes Privatvermögen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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