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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher444 als eine holländische stadt es seyn kann. Auch einige schöne gebäude, die regierung, die Börse, die statue erasmus von rotterdam’s, etc. die stadt ist von canälen durchschnitten, über welche fliegende Brücken führen, was ihr theilweise eine entfernte Ähnlichkeit mit venedig gibt. doch ist dieses in delft und noch vielmehr in Amsterdam ebenfalls der fall, wo es allein über 300 solche Brücken gibt. hier aber gefiel besonders ein theil der stadt (gouda straat, glaube ich) wo die straßen Alleen von hohen Bäumen bilden, und an beyden seiten nette häuschen mit gitter und garten eingefaßt und jedes mit seiner eigenen geschlossenen Brücke über die canäle, welche an beyden seiten der Allee laufen. mit der sprache kommt man hier schwer fort, die leute verstehen kein französisch und kaum hie und da ein bischen deutsch oder englisch, in rot- terdam besonders letzteres, ihr gottverfluchtes holländisches geplapper aber soll der teufel lernen. überhaupt, so gut mir das land gefällt, so wenig gefallen mir die men- schen in holland, trocken, langweilig, eingebildet und unhöflich, hier zu le- ben muß eine verzweifelte Aufgabe seyn, auch in den straßen der städte sieht es aus, als hätte die Pest da gehaust, so todt und abgestorben, höch- stens daß man hinter den fenstern hie und da ein menschliches gesicht her- vorgucken sind [sic]. rotterdam und Amsterdam machen als handelsstädte zum theile eine Ausnahme, aber auch nur zum theile. Abends ließ ich mich von meinem lohnbedienten in mehrere öffentliche häuser führen. es gibt nämlich in rotterdam so wie auch in Amsterdam viele privilegirte Bordelle, welche die verpflichtung haben, Abends und bis in die späte nacht einen tanzsaal mit musik offen zu halten, wo es dann toll und voll hergeht, man zahlt dafür entrée, je nach ihrem range von 30– 60 cents, wofür man noch ein glas Punch oder grog bekömmt, will man dann eins der mädchen haben, so sind da fixe Preise bis 10 fl. da kommen dann matrosen etc. halb besoffen und machen ihren spektakel, es macht einen beynahe wehmüthigen eindruck, diese unzahl mädchen, worunter es recht hübsche gibt, défiliren zu sehen, wie sie sich zu all den rohen scherzen hergeben müssen und immer tanzen und guter launen scheinen müssen, mögen sie wollen oder nicht. in einem dieser häuser fand ich eine ganz al- lerliebste friesländerinn in ihrem malerischen costume. dann gibt es wie- der andere häuser, wo nicht getanzt wird, sondern bloß den ganzen Abend fortepiano gespielt durch einen bezahlten ohrenzerreißer. in einem solchen wurde ich von einem ganzen haufen mädchen umringt, die sich auf mich, neben mich, unter mich setzten, und die ich durchaus mit Punch traktiren mußte; diese Mädchen müssen sich nun zu Allem hergeben, selbst zu nack- ten Bällen etc., und ihre hauptleidenschaft ist das trinken. doch gibt es auch sehr ordentliche tanzhäuser in diesem style, d.h. solche, wo sehr hüb-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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