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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher460 den tag in lyon verbrachte ich meist zu hause lesend, weil ich schon am letzten tage in Paris und seitdem eine mahnung meines alten leidens in den geschlechtstheilen verspürt hatte, welches ich durch viele Bewegung zu verschlimmern fürchtete. glücklicherweise aber hat sich diese meine Besorgniß nicht bewährt. montag früh 6 uhr setzte ich mich also in den eilwagen, ins coupé zwischen 2 damen, wovon die eine aus Belley eine recht angenehme con- versation hatte, das Wetter war sehr schön und die ganze fahrt ebenso. Anfangs längs der rhône hin durch die schöne umgegend von lyon, über meximieux, Ambérieux etc., dann in das charmante thal der Albarine bis Belley, wo wir nach 2 uhr ankamen und aßen. kurz darauf passirten wir die savoyische grenze, überstiegen auf einer ganz neuen schönen straße den mont du chat und fuhren längs dem lac du Bourget bis chambéry, wo ich vor 8 uhr ankam. Aber hier fingen die Schwierigkeiten von Neuem an, weder auf dem Cou- rier, der noch denselben Abend abging, noch auf der diligence Bonefons war für diesen und für die nächsten 8 tage ein Platz leer, mit Postkaleschen, wie dieß einen Augenblick meine Absicht war, von Post zu Post weiter zu fahren, daran war bey dem zweifelhaften Wetter, bey dem jämmerlichen Zustande dieser Wägelchen und bey meinen Zuständen nicht zu denken. dieses Alles contrariirte mich sehr, besonders da ich in mailand schon alle dispositionen für meine Ankunft heute den 3. hatte treffen lassen, aber was war da zu machen? man nannte mir zwar mehrere Personen, welche bereit wären, auf halbe kosten mit extrapost und ihrem eigenen Wagen nach turin zu reisen, aber auch diese hoffnungen wurden eine nach der anderen zu Wasser, so hielt man mich den größten theil des folgenden tages hin, und ich mußte zuletzt froh seyn, um 4 uhr nachmittags mit einem vettorino abfahren zu können, der sich verpflichtete, mich heute Freytag Morgens nach Turin zu stellen. mit zerrissenem herzen biß ich in den sauern Apfel, wir waren nicht weni- ger als 7 reisende, ich und ein junger lümmelhafter angehender mediziner im coupé, eine häßliche italienerinn mit 2 herren und zwey unausstehlich lustige französische commis voyageurs in inneren des Wagens. Kaum außer Chambéry fing es zu regnen an und dauerte so bis hieher ununterbrochen fort. die erste nacht fuhren wir durch, natürlich schritt vor schritt, man kann sich denken wie angenehm, und so den nächsten tag, die unerläßlichen 2 bis 3stündigen halte abgerechnet, um die Pferde zu erfrischen, aßen in s. michel, schliefen in modane, fuhren von da ge- stern um 5 uhr früh weg und waren um 10 in lanslebourg am fuße des mont cenis. da erklärte der lohnkutscher, er könne vor dem folgenden tage nicht weiter, da er keine vorspannpferde auftreiben könnte, ich aber
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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