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Tagebücher464
quis v. townshend) in dieser schönen Besitzung angerichtet hat,1 sie gehört
noch immer dem kurator dieses elenden, mr. ridgway.
Auch sahen wir die mestchersky dort, sie sind gegenwärtig hier, und ich
studire darauf, wie ich ihnen die honneurs von mailand machen soll, wel-
ches hier schwerer ist als irgendwo, der einzige spaß, den ich ihnen machen
konnte, war der, sie letzthin während der vorstellung auf die Bühne der
scala zu führen.
die lions sind gegenwärtig die 2 schwestern milanollo, und ich betrachte
sie als wahre Phaenomene, besonders die ältere, teresa, 19 Jahre alt, wel-
che ein gefühl und eine Weichheit in ihrem violinspiele hat, wie ich sie nie
zuvor gehört habe.
Am 10. legte ich also in versammelter sitzung meinen eid ab und über-
nahm sogleich wegen Abwesenheit des gubernialrathes die leitung des
départements, so daß ich in der nächstfolgenden sitzung vom 18. bereits
referiren mußte, was mir nicht geringe vorbereitung kostete, jedoch gut
ablief.
in der politischen Welt beschäftigt jetzt vorzugsweise die geister der
o’connel’sche Prozeß in dublin, die vorgänge in spanien und die großjäh-
rigkeitserklärung der königinn, vor Allem aber die revolution und die
demnächst bevorstehende nationalversammlung in griechenland, und in
dieser Angelegenheit scheint die Allgemeine Zeitung seit lange zum ersten
male alles maaß und allen politischen takt verloren zu haben, vielleicht
aber nur, weil der gekrönte schafskopf in münchen aus ihr spricht.2 War
auch die form nicht zu loben, so war die sache an sich doch gewiß gut, bil-
lig und für die nation vortheilhaft, und auf jeden fall wäre es jetzt, da sie
geschehen ist, das klügste, sie als fait accompli anzunehmen und der regie-
1 marquis george townshend war von seinem vater enterbt worden und lebte seit etwa 1808
in italien unter dem namen compton (nicht crompton, dem geburtsnamen seiner groß-
mutter). in welchem verhältnis nora vigoni zu ihm stand, konnte nicht geklärt werden.
2 nachdem die irische repeal-Bewegung zur lösung der union zwischen england und irland
seit dem frühjahr 1843 vor allem durch riesige volksversammlungen bedeutend zugenom-
men hatte, wurde daniel o’connell gemeinsam mit weiteren führenden vertretern der
Bewegung im oktober 1843 u.a. wegen störung der öffentlichen ordnung und Aufforde-
rung zum verfassungsbruch angeklagt. der Prozess im Jänner 1843 in dublin endete mit
schuldsprüchen und der verurteilung o’connells zu einem Jahr haft, das urteil wurde
vom house of lords als Berufungsgericht im september 1844 aufgehoben und die Ange-
klagten freigesprochen. nach dem sturz des regenten general espartero im Juli 1843
und der rückkehr der königin-mutter christina aus dem exil wurde die 13-jährige köni-
gin isabella am 8.11.1843 von der spanischen cortes für großjährig erklärt. der Aufstand
in Athen führte zum Zugeständnis einer verfassung durch könig otto (einem sohn des
bayerischen königs ludwig i.), die von der dafür einberufenen nationalversammlung am
2.3.1844 verabschiedet wurde.
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien