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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 466 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher466 fand ich es nicht der mühe werth, es mit so vielen opfern und unbequem- lichkeiten zu erkaufen, wie im vorigen Jahre. sonst ist alles im alten flecke. resi spaur immer krank und meistens unsichtbar, zu den kranken sind nun auch Appel und radetzky gekom- men. ich sehe ziemlich oft meine gute freundinn caroline litta, sonst aber bin ich ziemlich arm an weiblichen Bekanntschaften der mailänder Welt (die carpani ausgenommen, zu der ich sehr oft gehe) und ebenso fremd, wo nicht fremder, als vor 3 Jahren, die steifen ceremonienvisiten bey den hiesigen damen habe ich als ein gêne ganz ohne alle noth gänzlich aufge- geben, denn diese Leute sind weder gemüthlich noch weltläufig genug, dass man sich bey ihnen behaglich fühlen könnte, und dieser mangel an conver- sation ist mir oft sehr fühlbar, es ist doch etwas eigenes, daß man in einer großen Stadt wie Mailand gar nichts dergleichen findet. [mailand] 21. dezember vor ein paar tagen schrieb mir flore, daß erzherzog stephan (welcher so eben mit der politischen oberleitung Böhmens beauftragt worden ist, so lauten die offiziellen Worte) damit umgehe sich einen Hofstaat zu bilden. man habe ihr von mir gesprochen, und sie wolle sehen, was zu thun sey, zugleich habe sie gabrielle (welche noch immer in leutomischl ist) aufge- fordert, dem erzherzog, mit dem sie auf so gutem fuße steht, zu schrei- ben und ihn zu bitten, daß er mich wähle. flore meinte nun, ich sollte ihr schreiben, ob mir diese stelle angenehm seyn würde oder nicht, und zugleich in jenem falle selbst an den erzherzog schreiben. ich antwor- tete hierauf, daß mir eine solche Anstellung ganz angenehm seyn würde, daß ich es aber nicht für passend hielte, mich selbst an den erzherzog zu wenden, da es bey dergleichen dingen gebräuchlicher sey, Andere für sich sprechen zu lassen, und da es nebstdem offiziell gar nicht bekannt sey, daß Breda von hofe wegkomme. ich will nun sehen, was geschieht. obwohl ich im Allgemeinen für hofdienste nicht sehr eingenommen bin, so würde ich doch zu erzherzog stephan sowohl seiner stellung als seiner Persönlichkeit wegen gerne kommen, und ich hätte es dann immer frey, nach einigen Jahren und zwar wahrscheinlich mit entschiedenem vor- theile entweder in die administrative oder in irgend eine andere carrière wieder einzutreten. Zugleich habe ich aber auch einen andern versuch gemacht, dessen erste idee ziemlich weit zurück datirt. schon im August vorigen Jahres hatte mir nämlich Baron thierry in frankfurt/m. von der möglichkeit gesprochen, aus meiner jetzigen laufbahn mit vortheil in die diplomatische überzutreten, und mir ein Paar solche Beyspiele aus der nächsten gegenwart angeführt. meine idee war damals, die legationssecretärsstelle in Brasilien als eine
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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