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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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48914. September 1844 so wurde denn dann die idee meiner provisorischen Zuweisung bey der hofkanzley zwischen uns ausgedacht, doch mußte ich die mühe und gefahr ihrer realisirung übernehmen. das geschah übrigens ganz leicht, indem ich flore, welche mit inzaghy sehr liirt ist, in die Bresche schickte, ich ging dann bloß pro forma hin, und in ein Paar tagen war die sache entschieden. Was mich jedoch befremdete, war, daß bey dieser gelegenheit in der ämt- lichen correspondenz zwischen inzaghy, spaur und dem vicekönige von meiner wahrscheinlichen Bestimmung nach rio Janeiro die rede war. ich wurde also Anfangs der studienhofcommission, und zwar dem de- partement der volksschulen, regierungsrath Purkarthofer, zur Bearbei- tung einiger wichtigerer zurückgebliebener geschäfte zugetheilt, und zwar wegen der einführung von marineschulen in dalmatien und regulierung des volksschulwesens daselbst etc. Als ich damit zu ende war, hatte ich dann freylich fast nichts zu tun, wurde aber dann und zwar erst vor we- nigen tagen, auf mein Begehren von Baron Pillersdorf, welcher bey dem inzwischen erfolgten Tode der armen Gräfinn Inzaghy und der dadurch veranlaßten Abreise des obersten kanzlers die leitung der hofkanzley übernahm, dem italienischen departement zugetheilt, so daß ich jetzt erst sagen kann, festen fuß bey der hofkanzley gefaßt zu haben. daß mir dieses unter jeder voraussetzung nur sehr vortheilhaft seyn kann, versteht sich von selbst, und deßhalb wünsche ich mir in doppelter hinsicht zu diesem Ausgange glück. in Betreff meiner diplomatischen Angelegenheit konnte inzwischen nur wenig geschehen. fürst metternich kam zwar in folge der Anwesenheit des königs von Preußen um die mitte August hieher zurück, erkrankte aber gleich am tage nach meiner Ankunft und reiste nach 8 tagen wieder nach triest ab, so daß ich ihn gar nicht zu gesichte bekam. Alle andern gros bon- nets waren und sind noch gegenwärtig abwesend und werden erst ende die- ses monats anfangen nach und nach heimzukehren. Bombelles ist ebenfalls mit den jungen Prinzen auf reisen,1 er schien übrigens über ottenfels’ dop- pelzüngigkeit, die ich ihm ohne rückhalt schilderte, ebenso compromittirt als ungehalten, sprach mir ganz offen über die lage der dinge und sagte, otten- fels sey von allem Anfange an mit meinem übertritte als der für ihn heiligen bureaukratischen observanz entgegen nicht sehr einverstanden gewesen, ich solle mich daher mehr an ficquelmont halten. ein merkwürdiges chaos von einer Administration, bey der man nicht weiß, wer koch, wer kellner ist. indessen aber hat mir ottenfels einen vorsprung abgewonnen, der Po- sten in Brasilien ist vergeben an einen gewissen sonnleithner, Zögling der 1 graf heinrich Bombelles war erzieher der söhne von erzherzog franz karl, darunter der spätere kaiser franz Joseph.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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