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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher496 trier zum heiligen rocke zu wallfahrten. Aber der mann muß noch geboren werden, dem zu gefallen ich den heuchler spielen würde. Zu ficquelmont, der sich früher sehr warm um mich angenommen haben soll, gehe ich in einigen tagen, denn er ist so eben erst angekommen. ottenfels ist auf ur- laub in croatien. Bey hartig war ich, fand ihn aber nicht, und nach der unsanften Weise, mit der er mich das letzte mahl, da ich ihm von meinen Angelegenheiten sprach, aufgenommen hat, bin ich zu stolz, um ihm das geringste weiter davon zu sprechen, falls er mir nicht entgegenkömmt. da Brasilien nun besetzt ist, dachte ich Anfangs an Athen, doch rieth man mir davon ab, hauptsächlich wegen des unangenehmen charakters des ge- sandten Prokesch, wir wollen nun sehen. Plätze sind genug, ich habe mir durch dilgskron ein vollständiges verzeichniß derselben verschafft und ge- denke nun dieses zu exploitiren. gabrielle hat ihre entlassung eingereicht, d.h. sie hat auf die erklä- rung der berühmtesten Ärzte italiens, welche jetzt in mailand versammelt waren,1 um ihre entfernung von dort gebethen, indem das lombardische clima für ihre leberbeschwerden äußerst gefährlich sey. sie wird nun wohl bald auf urlaub hieher kommen und hier ihr weiteres schicksal abwarten. vor ein Paar tagen wurde die heirath meiner cousine Almérie Belcredi mit hugo taxis declarirt, eine sehr vortheilhafte Parthie, mein onkel fünf- kirchen hat morawetz an die Prinzessinn Wasa um ein lastgeld verkauft. das sind die neuesten ereignisse in der familie. sidonie reviczky kömmt heute ebenfalls in die stadt, somit war unsere trennung keine lange, unser verhältniß ist ganz dasselbe geblieben, sie ko- kettirt mit mir nach wie vor, und ich glaube nach wie vor, daß es, vielleicht ihr selber unbewußt, mehr als bloße koketterie ist, nur scheint mir, daß mir jetzt weniger daran gelegen ist als früher, wenigstens ennuyire ich mich jetzt leichter bey ihr als sonst, meine gedanken haben einmahl diese rich- tung verlassen, und das ist bey mir die hauptsache, ich liebe bey frauen vor Allem les positions tranchées, und deßwegen halte ich eine explication immer für gut, man gewinnt dabey so wie so. [Wien] 24. oktober ich bin in diesen tagen aus meiner bisherigen Wohnung im römischen kaiser ausgezogen und habe mir eine ziemlich hübsche, nur etwas hohe Wohnung im traun’schen hause in der herrengasse genommen. es sind noch sehr wenig leute, eigentlich niemand, in der stadt, und diese weni- gen fahren wegen der Jagden auf und zu. der club, meine hauptressource, ist jetzt leerer als jemals, und die wenigen menschen, die dahin kommen, 1 Anlässlich des vi. congresso degli scienziati italiani vom 12.–27.9.1844 in mailand.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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