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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher500 ternich fürchten für ihre haut, und der Palatinus tergiversirt mit beyden Par theyen, und solange diese leute leben, geschieht nichts, und das ist noch der einzige dienst, den sie uns erweisen. es ist merkwürdig zu sehen, wie alle unsere Potentaten die nothwendigkeit so mancher verbesserun- gen einsehen und darin sogar weiter gehen, als man für möglich hielte, wie es aber zur Ausführung kommt, sich fürchten, die kleinste neuerung zu gestatten. ein ganzer mann ist heutzutage eine seltenheit. list, der nationalökonom, ist hier und speist morgen sammt allen ma- tadors der regierung bey graf kolowrat. emerich Bethlen ist hier, und ich sehe ihn sehr oft, er ist einer der wenigen menschen, welche das mittel gefunden haben, in Wien bey gesundem verstande zu bleiben. es ist eine eigene sache um das hiesige leben und treiben. Jedermann will und sucht etwas und arbeitet auf eine oder die andere Art empor, und wer nichts reel- les zu suchen hat, der fingirt sich selber ein Ziel seines Jagens und betrach- tet als sein summum bonum, vom fürst metternich eine viertelstunde lang in einer fensterecke festgehalten zu werden oder zu den habitués der fürstinn louise schönburg zu gehören. Jemandem, der wie ich nunmehr an das behagliche freylich auch halb scheintodte genußleben in italien ge- wohnt ist, kömmt dieses ganz absonderlich vor. Aber die idee der mensch- lichen Würde, daß man nämlich durch sich selber etwas seyn könne und nicht durch seine charge oder seine verbindungen, das fällt hier keinem menschen ein. o großer fourier! nach und nach aber gehen den leuten die Augen auf, den hohen, nicht den Andern, denn die sind ganz hündisch froh, sich pudeln lassen zu können. Aber das nützt freylich nicht viel, wenn sie zugleich den muth nicht besitzen, nach ihrer besseren einsicht zu han- deln. Aber sie sind wie Wirthsleute im letzten monathe ihrer Wirthe, wel- che die einfallenden Wände nicht wieder aufrichten mögen, weil sie wissen, es werde ohnehin nicht mehr lange dauern. Ainsi sois-il! Amen. salm ist hier als glücklicher gouverneur und Bräutigam1 und conferirt wegen des herannahenden böhmischen landtags, da sieht es etwa confus aus. erzherzog stephan (den ich neulich hier sah, und der mir die schön- sten sachen sagte) kann oder will auch nicht viel thun, alle stellen, die höchste, das Gubernialgremium an der Spitze, sind käuflich und sinken täglich mehr in der öffentlichen Achtung, und die opposition, besonders unter dem Adel, wird immer stärker, sogar hans kolowrat ist ein demagog geworden! gabrielle ist seit 10–12 tagen in Wien und wohnt bey flore. 1 der stellvertretende oberstburggraf von Böhmen Altgraf robert salm-reifferscheidt hatte sich mit Gräfin Felicie Clary-Aldringen verlobt, sie heirateten am 7.6.1845.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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