Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
Page - 510 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 510 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

Image of the Page - 510 -

Image of the Page - 510 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

Text of the Page - 510 -

Tagebücher510 grahn’s am königlichen theater zu london, wo sie jetzt tanzt, angestrichen war, wer wohl sich unseres verhältnisses, welches übrigens die fabel der ganzen stadt war, erinnert haben mag? übrigens hatte dieses theaterleben, auf welches wir in mailand ange- wiesen waren, seinen unläugbaren reiz, und ich regrettire es oft, besonders hier, wo die monotonie des lebens und des umganges gar so grell ist, und man die leute wie in staatsgefängnissen füglich bloß mit nummern be- zeichnen könnte. lucile schreibt mir zuweilen, sie war vor ein Paar monathen entschlos- sen, dem theater lebewohl zu sagen und mit larochefoucauld nach Afrika zu gehen, und nun tanzt sie in london, ich wußte das und sagte es ihr voraus. das kunst- und theaterleben ist dasjenige, dessen man sich am schwersten entwöhnt, ich vergesse nie, was mir marie taglioni einstens darüber sagte. Am 1. oder 2. dieses monats fängt hier die italienische oper an, und fanny elssler wird 10–12 vorstellungen geben, ich bin neugierig, ob sie mir jetzt, da ich unbefangenen gemüthes bin, besser gefallen wird? ich habe jetzt eben einen Band gedichte gelesen, die wirklich außeror- dentlich schön sind: gedichte eines oesterreichers leipzig 45. der dich- ter nennt sich Albert knoll aus teschen und in klosterneuburg wohnhaft,1 zum theile politischen inhalts, in dem sinne heine’s und freiligrath’s, nur milder und wehmüthiger und weniger aggressiv, aber überall eine Wärme und schönheit des Ausdrucks, eine sanfte poetische schwermuth, welche wirklich zauberisch ist. nein, die Poesie ist in deutschland nicht erstorben, und am glänzendsten nährt sie sich bey uns, ist es trauer oder Ahnung, oder Beydes zugleich? [Wien] 8. April in der schweiz ist der tanz losgegangen, die freyschaaren haben lucern angegriffen und sind mit blutigen köpfen heimgesendet worden. obwohl nun dieser vorgang wichtiger und gewaltsamer zu seyn scheint als alle bis- her seit 1830 in der schweiz stattgehabten ereignisse, so kömmt doch mir, der ich diese schweizerischen tempêtes dans un verre d’eau in der nähe gesehen habe, die Bestürzung sehr lächerlich vor, welche hier bey der ge- ringsten ruhestörung von daher unsere weisen staatsmänner erfaßt. Wichtiger ist die einverleibung von texas in die vereinigten staaten, was wird sie für den colonisationsverein unserer deutschen Adeligen in texas für folgen haben?2 1 Albert knoll, gedichte eines oesterreichers (leipzig 1845). 2 texas, das einseitig seine unabhängigkeit von mexiko erklärt hatte, wurde am 1.3.1845
back to the  book „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I"
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“