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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher520 ich bin aber entsetzlich unproductiv geworden, schon lange habe ich den Artikel über thiers geschichte etc. und noch manches Andere im kopfe und kann doch nicht damit fertig werden. ich schreibe das meiner unbequemen Wohnung, die ich noch dazu beständig wechseln muß (seit gestern und jetzt bis michaelis wohne ich bey meiner alten freundin rosalie tatchitz in der Wollzeile) und freue mich schon auf meine stabile Wohnung im lichten- steinschen hause, die ich zu micheli beziehen werde. denn ich brauche vor Allem ruhe, um arbeiten zu können. das tagesgespräch war eben jetzt die entweichung unseres guten freun- des und meines theaternachbarn st. John, welcher bey nacht und nebel mit hinterlassung bedeutender und mitunter sehr schmutziger schulden davongegangen ist. er war ein weltbekannter Aventurier, der aber als sportsman hier die allerbeste Aufnahme fand, nun kratzen sich die leute hinter die ohren. Auch mein freund fidel Palffy soll einem Banqueroute nahe gewesen seyn oder noch seyn, seine Frau ist nach Ungarn und hat 160.000 fl Schul- den hinterlassen, unordnung und hohes spiel soll die ursache seyn. der arme fidel hat doch nichts als unglück. sonst gibt es nichts neues als einige garnisonsexcesse, an welchen zum theile die Pedanterie des neuen commandirenden erzherzog Albrecht, der ein ganz ordinärer kamaschenknopf seyn soll, schuld trägt. er scheint die Spaltung zwischen Civile und Militär geflissentlich vermehren zu wollen. toni coronini besuchte mich neulich, auch Bakesch aus mailand ist hier, und gustav chorinsky, den ich seit 1829 nicht mehr sah, ist kürzlich nach salzburg zurück. carlo Poniatowsky ist von florenz auf der durchreise nach Polen hier. erzherzog friedrich hat neulich seine gelübde als maltheser feyerlich abgelegt zum großen verdrusse der andern ritter, welchen er trotz Aller versicherungen dennoch nächstens eine der besten commenderieen weg- schnappen wird. es war ganz allein sein eigener Wille, weder sein vater noch die übrigen erzherzoge hatten theil daran, ja sie mißbilligten es so- gar größtentheils, wie z.B. erzherzog stephan mir selbst sagte. es scheint wirklich, daß das törichte verhältniß mit resi thurn ihn dazu bewog, übri- gens ist von einem romanhelden nicht ein fünkchen in ihm. [Wien] 14. Juni sehr viel zu reden gibt eben jetzt die Ausweisung itzstein’s und hecker’s von Berlin.1 die preußische regierung scheint darüber wirklich in verle- 1 die beiden liberalen mitglieder der badischen zweiten kammer Johann v. itzstein und friedrich hecker wurden wähend einer norddeutschlandreise aus Preußen ausgewiesen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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