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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher526 es wimmelt jetzt von hohen herrschaften, seit der könig von sachsen weg ist, sind nun maria louisen, sämmtliche modeneser erzherzoge, die herzoginn von kent und Prinz Albert von Preußen hier. es waren deßhalb diners in schönbrunn etc., dann Pirutschaden1 in laxenburg und morgen eine detto in schönbrunn. neulich gab fürst metternich eine soirée, wo carlo Poniatowsky sang, ich ging aber nicht hin, solche feste ennuyiren mich immer, besonders aber im sommer. mir ist dieser tage zufällig ein recht interessantes, 1843 in london er- schienenes Buch von Wilde über oesterreichs schulwesen und litterari- sche, besonders medicinische institutionen unter die hände gekommen,2 und habe mich wieder darüber geärgert, daß man so vieles über das eigene land durch fremde erfahren muß, und daß unser einem der Zugang zu und umgang mit unseren ausgezeichnetesten männern fast hermetisch verschlossen ist. Wilde bedauert besonders den mangel einer Academie der Wissenschaften in Wien, und wohl mit recht. [unter sankt veit bei Wien] 28. Juli Die arme Jetty Neipperg ist am Nervenfieber, der Folge ihrer fausse couche, verschieden. ich kann es nicht sagen, wie mich dieser verlust schmerzt. es war ein engel an schönheit und güte, ganz wie meine se- lige schwester Albertine, und so wie sie zu gut für diese Welt. Wer hätte das gedacht, als ich sie vor 2 monaten zur eisenbahn begleitete und sie mich zum Abschiede mit gedörrten feigen warf! und zur selben Zeit liegt Justine erdödy in Penzing schon seit 3 tagen im sterben, sie war schon 2 stunden lang ganz kalt und ohne Pulse, jetzt hat sie sich momentan wieder erholt. ich war im kritischesten momente dort, und es war ein Jammer, die 7 Kinder heulen zu hören. Steffi kam erst von Ungarn, als sie sich schon etwas erholt hatte, er ist sehr gebeugt und saß neulich lange bey mir, Anfangs von ihr und am ende von Pferden und huren sprechend, er ist ein vortrefflicher Mensch, aber sehr leichten Sinnes. Neipperg wird sein unglück viel tiefer fühlen. und um die böse Zahl drey voll zu machen, ist neulich meine hausfrau am Bandwurm gestorben und liegt als leiche im Zimmer nebenan. 1 Wagenfahrten. 2 William R. W. Wilde, Austria, its literary, scientific and medical institutions. With notes and a guide to the hospitals and sanatory establishments of vienna (dublin–london–edin- burgh 1843); deutsche Ausgabe: Oscar Wildes Vater über Metternichs Österreich. William Wilde – ein irischer Augenarzt über Biedermeier und vormärz in Wien, hrsgg. v. irene montjoye (studien zur geschichte südosteuropas 5, frankfurt/m. 1989). die kurze Passage im vorwort, in der Wilde Andrians Österreich und dessen Zukunft erwähnt, ist gedruckt in rietra, Wirkungsgeschichte, 133.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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