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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher530 ein grand seigneur durch Geburt, Einfluß, und 800.000 fl. Einkommen, buhlt nun schon seit monathen darum als Preis für seine defection aus den reihen der opposition! die doppelte Quaste seines Bruders louis läßt ihn nicht mehr schlafen, i suoi pensieri in lui dormir non ponno.1 der leipziger krawall vom 12. ist mir höchst merkwürdig durch die schnelligkeit, energie und Besonnenheit, womit sich die Bürgerschaft gleich nach den excessen organisirte und das heft der regierung in seine hände nahm,2 man sieht, daß ihr reich gekommen ist. vom schneider Weitling habe ich neulich eine communistische Brochure gelesen, zur vertheilung unter die Arbeiter bestimmt, es ist ein confuses ungewaschenes Zeug gemischt aus fourier, den er nicht gelesen und noch weniger verstanden hat, saint simon etc. sein Princip ist: Alle sollen gleich arbeiten, damit Jeder möglichst wenig zu arbeiten brauche. daher würden maschinen unter dieser voraussetzung ein ebenso großer vortheil seyn, als sie jetzt nachtheilig sind. hormayer, der gift und galle speyende, hat wieder ein Buch ge- schrieben „Anemonen“ voll confuser gelehrsamkeit, Bosheit und elender gesinnungslosigkeit,3 jedoch voll interessanter faite und mitunter sehr treffender urtheile, meist aus österreichischer geschichte. der mann ver- steht unsere Zeit nicht mehr und war wohl sein lebtag nichts anderes als ein charakterloser litterarischer Aventurier. die ermordung leu’s in der schweiz gibt viel zu reden,4 besonders unter den hiesigen Jesuitenfreunden, welche hier leider sehr zahlreich sind, be- sonders unter den Frauen. Bombelles ist ihr Haupt, finster und fanatisch, dabey ohne viel kopf und kenntissen, neulich sagte er mir, man müsse die studien vertheuern, um die masse von jungen leuten davon abzuhal- ten. heute erst hatte ich eine lange discussion über diesen gegenstand mit Gräfinn Coudenhoven, welche doch unstreitig eine sehr geistvolle Frau ist, dabey eine convertitinn, folglich ultrakatholischer als sonst Jemand, und daher an die fügungen gottes und dgl. glaubt. sie hält, wie viele, die 1 tasso, gerusalemme liberata, canto decimo. 2 Während eines Besuches des sächsischen kronprinzen Johann in leipzig wurde am 12.8.1845 eine demonstration gegen die religionspolitik der regierung (unterdrückung der freireligiösen und deutschkatholischen gemeinden) vom militär blutig niedergeschla- gen. der darauf von robert Blum organisierte Protest konnte durch friedliche großde- monstrationen zunächst Zugeständnisse erreichen (rückzug des militärs in die kasernen, Zusicherung einer strengen untersuchung der vorfälle), doch bereits nach wenigen tagen setzte eine verstärkte repression seitens der sächsischen regierung ein. 3 Joseph v. hormayr (nicht hormayer), Anemonen aus dem tagebuch eines alten Pilgers- mannes. 4 Bde. (Jena 1845–1847). 4 der luzerner ratsherr Josef leu v. ebersol war in der nacht vom 20. auf 21.7.1845 ermor- det worden.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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