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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 535 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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53517. September 1845 Politische neuigkeiten: die niederlagen der russen im caucasus, erfreu- lich und Beweis mehr, que le colosse a des pieds d’argile, und der freyschaa- renzug der illyrier in croatien nach turopolya, welcher, wie man bis jetzt sagt, mit 129 todten endigte.1 [unter sankt veit bei Wien] 17. september ich war neulich wieder mit flore in Baden, wo sie bey Alexandrine Amade übernachtete. Am tage unserer Ankunft machte ich mit ihnen beyden eine lange fußpromenade auf die hauswiese, dopplhof etc. und dann ins thea- ter. tags darauf um 1/2 3 fuhren wir wieder nach hetzendorf zurück. neulich fuhr ich eigens in die stadt, um gutzkows „dreyzehnte novem- ber“ zu sehen, ein schlechtes langweiliges stück, die diction hie und da schön. dagegen war ich neulich im Wiednertheater, welches ganz neu und recht heiter hergerichtet ist, natürlich ohne allen geschmack wie Alles in Wien. dagegen die maschinerie vortrefflich, bis jetzt sind von den verspro- chenen marmailles niemand als herr und mad. Beckmann da. neulich schrieb mir castle aus mailand, er wünscht, hier diesen Winter vorlesungen über Phrenologie zu geben, und ich soll ihm dazu behülflich seyn. ich habe so eben aus Bülowcummerows neuestem Werke „die europä- ischen staaten“ den Abschnitt über oesterreich gelesen,2 welcher viel un- richtiges enthält, wie Alles was er geschrieben, von einem mittelmäßigen kopfe zeugt, übrigens aber im Wesentlichen eine recapitulation von oester- reich und seine Zukunft ist. das ist überhaupt eine genugthuung, die mir oft widerfährt. seit einigen tagen erscheint hier eine neue politische Zeitung „die ge- genwart“, bisher kann man zwar noch nichts darüber sagen, doch scheint sie sich stark auf das feuilleton auswachsen zu wollen.3 eine gute idee aber sind die Wiener Briefe über Wiener Zustände, desideria und neuig- keiten von höherem interesse, welche darin erscheinen sollen, denn in kei- ner stadt der Welt weiß man so wenig davon, was um und neben uns ge- schieht als hier. der politische leading article der ersten nummer aber war sehr geschraubt und unklar, was ich verstehen konnte, war eine unbändige freude darüber, daß wir frieden haben. das erinnert mich an: heute ist 1 Dieser neu aufgeflammte Konflikt entzündete sich an einem das Abstimmungsrecht am kroatischen landtag neu regelnden königlichen reskript und einem darauf folgenden landtagsbeschluss, der die bisherigen Privilegien des ungarisch gesinnten Adels von turo- polya aufhob und ihn auf eine einzige stimme im landtag beschränkte. 2 ernst gottfried georg v. Bülow-cummerow, die europäischen staaten nach ihren innern und äußern politischen verhältnissen (hamburg 1845). 3 die tageszeitung „die gegenwart. Politisch-literarisches tagsblatt“ erschien bis 29.4.1848.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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