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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher540 zubrachten. dann war große tafel, der kreishauptmann von ried sammt seiner kuriosen gattinn, Beamte ohne Zahl etc. nach tische fuhren wir nach hause. ich hatte mir auf dieser fahrt oder sonst wo eine leichte halsentzündung geholt, wie ich sie in mailand mehrmals hatte, und die mich durch einen guten theil der folgenden Woche, welche übrigens meist trüb und regnerisch war, zu hause hielt. ich benützte diese Zeit dazu, um das manuscript mei- nes Aufsatzes über thiers an dr. kolb nach Augsburg zu schicken, indem ich ihn bath, daraus nach Belieben Bruchstücke in die Beylage der Allgemeinen Zeitung einzurücken, jedoch erst dann, wenn die Brochure, als welche ich den ganz Aufsatz erscheinen zu lassen beabsichtige, fertig geworden wäre. eine Antwort auf diesen Brief habe ich noch nicht erhalten. übrigens war dieses stille leben in neuhaus recht angenehm und ge- müthlich und wäre es noch weit mehr gewesen, wenn nicht als sehr unwill- kommene gäste ein gerichtshalter dr. rössling von engelburg sammt gat- tinn zu uns gekommen wäre. dieser wollte nähmlich auf einige tage nach münchen gehen, und eduard, welcher mit einem grafen taufkirchen um engelburg in handel steht und daher wichtige gründe hat, den gerichtshal- ter zu cajoliren, hatte ihm angetragen, seine frau einstweilen in neuhaus zu lassen ohne zu glauben, daß dieses gerade in diesem Augenblicke geschehen würde. Aber dieser Besuch hätte bald ein tragisches ende genommen. die ersten tage ging Alles recht gut. die gerichtshalterin, eine junge, ziemlich hübsche fränkinn, hatte unser Aller, ja sogar meinen Beyfall, als sich aber die rückkehr ihres mannes ohne Brief noch nachricht verspätete, als der samstag und sonntag verstrich ohne den rössling zu bringen, und wir da- her unsere Pläne, in der nachbarschaft einige Besuche zu machen, haupt- sächlich aber ungestört unter uns zu bleiben, zu Wasser werden sahen, da wurden wir Alle schwürig. eduard hielt seine ritterliche gastfreundschaft, lenchen ihre herzensgüte zurück, ich aber wurde immer vornehmer und gröber gegen die frau, deren unbefangenes Benehmen meinen aristocrati- schen stolz beleidigte, so wie mir auch ihre spießbürgerlichkeit nach und nach zuwider geworden war. endlich, es war die höchste Zeit, kam rössling montag früh, aß noch bey uns, und nach tische fuhren Beyde weg, und wir, d.h. eduard, lenchen, und ich, wieder nach s. martin. diesesmahl war es etwas stiller, wo nicht langweilig, ein theil der Besucher war fort, und Anna Arco litt an Zahnschmerzen. übrigens blieben wir nur über nacht und fuh- ren tags darauf nach dem frühstück wieder nach hause. Besuche hatten wir in der Zeit, die ich in neuhaus zubrachte, nicht mit Ausnahme von cle- mens Joner, welcher ein paar mahle von tettenweis herüber kam, und den wir auch in Passau jedes mahl um uns hatten, und seine schwester Antoi- nette, die ihn einmahl begleitete.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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