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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher546 ferinn in die Alpen!! der erbprinz von lucca geht dieser tage mit seiner gattinn nach italien und nimmt mir einen Brief an ida Bombelles mit. man spricht viel darüber, ob erzherzog stephan die großfürstinn olga dennoch heirathen wird oder nicht, denn es scheint, daß kaiser nicolaus trotz der ausweichenden Antwort, die er vor 2 Jahren erhielt, seine Anträge erneuert hat und sich sogar erbothen haben soll, seine tochter zur katholischen re- ligion übertreten zu lassen. diese verbindung wäre höchst unpopulär und bey der wahrscheinlichen Bestimmung des erzherzog stephan zum Palati- nus von ungarn und dem dort spukenden illyrismus und gräcismus auch gefährlich, besonders da olga von einem sehr intriganten charakter seyn soll. fml schlick erzählte mir neulich, daß er vor kurzem mit dem erzher- zog und meiner schwester gabrielle in rzepin bey Benjamin rohan gewesen sey, und daß sich die herren Alle hinter gabrielle steckten, um zu erfahren, wie der erzherzog darüber denke. dieser aber antwortete ihr ganz in seinem genre: ich werde nicht Bariatynskis gewesene geliebte heirathen. kunigunde schell heirathet den jungen dalberg, eine superbe Parthie. montenovo besuche ich zuweilen, es geht ihm entschieden besser. desto üb- ler geht es der armen natalie Palffy, und ihr mann quält die arme frau noch auf alle mögliche Art, setzt sich zu ihrem Bette und frägt, ob dieser cadaver noch lange sein haus verpesten werde, wollte neulich ihre schwester und einzige Pflegerin camilla hoyos mit gewalt aus dem hause schaffen etc. [Wien] 9. dezember vor zwey stunden, um 1/2 8 uhr diesen morgen, ist tettenborn hinüber ge- gangen – post tot discrimina rerum, ein glänzendes, volles reiches leben ist beendet, er ist zu beneiden, zu bedauern aber sind die, welche nach einem 60jährigen vegetiren ohne eine erinnerung aus dem leben scheiden. erschütternd ist in solchen momenten nur der gedanke an unsere ver- gänglichkeit, der mann voll kraft, voll lebensmuth und lebenslust, der eine halbe Welt bewegt und mit tausend entwürfen schwanger geht, braucht 6 fuß erde, und dann ist Alles vorbey! Wie lange wird es dauern, und auch mein leben, meinen kampf mit der Außenwelt, meine tausend und tausend ideen, entwürfe und hoffnungen wird der tod durchschneiden!! – – möge mir in meinem letzten Augenblicke das leben soviele erinnerungen biethen als das, welches heute schloß! Persönlich verliere ich sehr viel an tettenborn, und hier, wo die interes- santen menschen so selten sind, fühle ich es doppelt, weil der Anblick eines solchen mannes einen kräftiget und erfrischt. schade, daß er an mir nur Blüthen und kaum früchte gekannt hat! für mich knüpft sich sein tod an eine sehr merkwürdige erscheinung. heute früh, ganz kurz vor dem erwachen, träumte mir, der sonst selten
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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