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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher548 übrigens reist sie in 4 tagen mit ihrer mutter nach venedig, um dort den Winter zuzubringen. es war in diesen letzten Wochen ein großes halloh ent- standen über ihre sichtliche Abnahme an fleisch und kräften. Jetzt hatte ich freylich einen schlüssel dazu. es wurden auf Begehren der kaiserinn 2 con- silien, eines von homöopathen, das Andere von Allopathen gehalten, welche Alle erklärten, sie müsse ohne Aufschub in ein mildes klima, um da ein Jahr, später hieß es 4 monate, zuzubringen, sonst sey eine lungentuberkulose im Anzug. da entstand dann ein entsetzliches durcheinander, eine wahre Wei- berwirthschaft, alle stunden ein neuer Plan, bald sollte tante hadik, bald ihre stiefmutter sie begleiten, combats de délicatesses, wobey keine das sagte, was sie dachte, sondern errathen seyn wollte etc. endlich ist nun Alles im reinen, ob zu louisens Besten? ist die frage, sie trennt sich so ungern von der kaiserinn und von Wien, und ihre stiefmutter hat einen so unglücklichen character, daß ich bey ihrem leidenden gereizten Zustande wenig gutes hoffe. Wie das nun schon im leben geht: mors tua vita mea so habe ich schon an gabrielle schreiben müssen, sie solle sich der kaiserinn antragen, an loui- sens statt einstweilen dienst zu thun. Wenn das wäre, so wäre es für sie ein bedeutender schritt zu ihrer unterbringung am hiesigen hofe. flore ist schon seit 8–10 tagen krank, sie hat ein sehr heftiges catarrhal- fieber und krampfhusten. mein leben ist ein ziemlich ruhiges, ich bin jetzt, da ich ein comfortables home habe, ziemlich viel, auch des Abends, zu hause, und finde mich erst jetzt in mir selbst wieder. ich schreibe, lese und gehe mit großen dingen schwanger. in 14 tagen längstens muß meine Brochure erscheinen, und ich will nun recht fleißig seyn und schlag auf schlag fortarbeiten, und gleichzei- tig soll die letzte Bombe losgelassen werden, denn in dieser richtung bewegt sich nunmehr mein ehrgeiz entschieden. übrigens hat die Zeit der diners wieder angefangen, die salons aber sind noch leer, und diese werden immer weniger meine sache, ich gehe dahin gerade soviel ich muß, aber auch nicht mehr. die sogenannte Banquierswelt: eskeles, ritter, galvani etc. ist noch langweiliger und ordinärer als die unserige, und ich werde sie wahrschein- lich ganz fallen lassen, bis auf das haus Pereira, welches auch gerade nicht sehr amusant ist, die aber gar liebe gute leute sind. dagegen nehme ich mir vor, eine andere Welt, die sogenannte gelehrtenwelt zu frequentiren: malfatti, consul schwarz, Professor endlicher (wo ich neulich durch meinen freund kloiber Approchen machen ließ), hammer etc. ich will sehen, ob ich da Befriedigung finde, viel verlange ich ja nicht mehr. [Wien] 19. dezember das Peel’sche ministerium ist zurückgetreten Angesichts der immer stei- genden Agitation gegen die korngesetze bey der wachsenden theuerung
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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