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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher550 interessant zu seyn scheint, und in diesem falle sie besprechen. endlich gehe ich mit einem größeren Artikel über die preußischen reformen 1807–13 schwanger, welcher so geschrieben werden soll, daß man hindeutungen auf das, was uns jetzt noth thut, zwischen den Zeilen lesen könne. vielleicht übersetze ich auch hie und da Bruchstücke aus fourier. kurz, ich bereite mich zu voller thätigkeit, und es wäre mir daher sehr ungelegen, wenn ich durch eine ortsveränderung, und wäre es auch ein Avancement, aus ihr her- ausgerissen würde. gebt mir ein paar Jahre Zeit, et Acheronte movebo. in ungarn geht es immer toller, und die Aktien der regierung, Appony’s und konsorten fallen immer mehr. das Pesther komitat hat eine deputation von ultraradicalen: louis und casimir Batthyany, samuel und lazzi teleki, kossuth, raday, etc. hiehergeschickt, um gegen die (neuerlich illyrisch ge- wordene und durch haller’s Absetzung bethätigte) Politik der regierung in croatien und namentlich bey der turopolya sache zu protestiren.1 diese wird nun nirgends, selbst vom kanzler nicht, vorgelassen, und das ist ihnen ge- rade recht, denn da gibt es wieder neuen lärmen. eine gleiche deputation schickt das Pressburger comitat: fürst Palfy, mischka esterhazy etc. fritz schwarzenberg aber, der auch dabey seyn sollte, hat sich hier endoctriniren lassen und will ihnen einen sentimental-royalistischen Absagebrief schreiben und sich so auf ewig den hals brechen. mittlerweilen aber fallen selbst die conservativen (sogar lazzi festetics!!) von der regierung ab, weil sie sich mit recht vor der beginnenden Bureaucratie der Administratoren fürchten,2 und frägt mich Jemand, so sage ich: hütet euch vor den kreishauptleuten! die arme louise Praschma ist am 16. mit ihrer mutter nach venedig ab- gereist. nun ich den eigentlichen, moralischen grund ihres dahinwelkens in dieser letzten Zeit kenne, habe ich die beste hoffnung für sie, denn der grund ist behoben, ich mußte sie noch in den letzten stunden hinsichtlich ihrer Briefe an t[ettenborn] beruhigen und deßhalb ihre Aufträge überneh- men, die ich erfüllen werde, sobald die Wittwe sichtbar wird. ich habe heute ein sehr interessantes modell einer atmosphärischen ei- senbahn gesehen, welches hier gezeigt wird.3 gräfinn esterhazyroisin ist in diesen tagen zu nizza gestorben. ich habe mich in diesen tagen mit mühe und nur dem Autor zu liebe durch malfatti’s Werk: studien über Anarchie und hierarchie des Wis- 1 vgl. dazu eintrag v. 10.9.1845. 2 in einem versuch zur konsolidierung der königlichen macht in den ungarischen komitaten wurden seit 1844 den obergespanen staatliche Administratoren mit weitgehenden Befug- nissen zur seite gestellt. 3 Bei den – lediglich zwischen 1844 und 1848 in vier kurzen versuchsbahnen in england und frankreich zur Ausführung gekommenen – atmosphärischen eisenbahnen wurden die Züge über ein im gleiskörper verlegtes unterdruckrohr angetrieben.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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