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Jänner 1846
haben sie die saiten allzu straff gespannt. übrigens nimmt die erbitterung
immer zu, und es ist bereits der gedanke aufs tapet gebracht worden, die
imbecillität des königs und somit die einsetzung einer verfassungsmäßigen
regentschaft in Anregung zu bringen. dieses wäre übrigens ein unsinn und
ein scandal, das ganze resultat wären ein paar hochverrathsprozesse.
man hat mir so eben ein elendes geschmierr von Julian chownitz: oe-
sterreich und seine gegner zugesendet,1 worin Bülowcummerow’s neueste
schrift, gutzkows Wiener eindrücke, hormayrs Anemonen und oesterreich
und seine Zukunft beantwortet werden sollen. es kann einem kein größe-
rer gefallen geschehen, als durch einen solchen menschen und auf solche
Weise angegriffen zu werden. Warum läßt man das alte Büchelchen nicht in
ruhe? sind es doch nun schon mehr als 4 Jahre, daß ich es zwischen hoden-
geschwulst und comersee zur Welt brachte.
ich habe jetzt eine ämtliche Zusammenstellung aller urkunden etc. bey
mir, die sich in den staatsarchiven hinsichtlich der letzten lebensjahre Wal-
lensteins vorfinden, und lese sie durch, es ist eine recht interessante Arbeit,
die nächstens vervollständigt werden wird, indem der verfasser, straube,
von der hofkanzley in mehrere Archive Böhmens und mährens zu diesem
Behufe abgeschickt wurde, er ist zurück und arbeitet nun an jenem Werke.2
nebstdem lese ich hormayrs lebensbilder aus dem Befreyungskriege,
hoffend darin materialien für meinen Artikel über die preußischen refor-
men 1807–13 zu finden. sonst habe ich noch vor mir liegen: toussenel, les
juifs rois de l’époque, scheint sehr interessant, l. Blanc, histoire de dix ans,
capefigue’s geschichte der restauration, die ich wieder vornehme, den 5.
Band von schlossers geschichte des 18. Jahrhunderts,3 fourier etc. Also
dinge genug, um nebst meinen sonstigen Beschäftigungen den tag auszu-
füllen, und wenn dieser 36 stunden hätte.
1 Julian chownitz (d.i. Joseph chowanetz), oesterreich und seine gegner (mainz 1846).
2 Zwei unpublizierte Arbeiten emanuel straubes, die er in amtlichem Auftrag verfasste,
befinden sich laut dem Eintrag in Constant v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des
kaiserthums oesterreich. Bd. 39 (Wien 1879) 317–320 im hhstA: dreizehn monate aus
Wallensteins leben. Actenmäßige darstellung aus den im Archiv der k.k. vereinigten hof-
kanzlei zu Wien kürzlich aufgefundenen Schriften seiner eigenen Kanzlei; und Materialien
zu einer geschichte Wallenstein’s herzogs von friedland. Actenmäßig zusammengestellt
und mit Benützung der besten Quellen und schriftsteller.
3 Joseph v. hormayr, lebensbilder aus dem Befreyungskriege (Jena 1841–1844, 2. ver-
mehrte Auflage Jena 1845); Alphonse Toussenel, Les juifs, rois de l’époque. Histoire de la
féodalité financière (Paris 1845); Louis Blanc, Histoire de dix ans 1830–1840 (Paris 1844);
Jean-Baptiste Capefigue, Histoire de la restauration et des causes, qui ont amené la chute
de la branche aînée des Bourbons. 10 Bde. (Paris 1831–1833); Friedrich Christoph Schlos-
ser, geschichte des achtzehnten Jahrhunderts und des neunzehnten bis zum sturz des
französischen kaiserreichs. 6 Bde. (heidelberg 1836–1848).
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien