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Tagebücher562
neulich war ein costumirter Ball bey clary, wovon man wochenlang frü-
her gesprochen hatte, mit einer tanz-Quadrille, die 4 elemente vorstellend.
mein schneider hatte den gescheidten einfall, mich im letzten momente sit-
zen zu lassen, und so erschien ich im frack gleich vielen Andern.
Am sonntag den 8. war damenredoute, sie brachte mir seit langer Zeit
zum ersten mahle eine augenblickliche bonne fortune, von welcher ich tags
darauf um 9 uhr müde und matt nach hause kam.
der sardinische gesandte graf sambuy ist plötzlich gestorben, ich hatte
ihn noch ein paar tage vorher auf der Bastey gesprochen. gabrielle tritt am
20. förmlich ihren neuen dienst an.
in venedig hat sich eine infame geschichte zugetragen, von der man
überall spricht. carl lichnowsky, der da angestellt war, machte mit einem
hauptmanne Baron Piret die Wette, er wolle meiner freundinn galvagna
in ihrem salon seinen nackten schwanz zeigen und that es! er wurde dafür
vom Publikum aus der fenice hinausgepfiffen. der gemahl aber aus furcht
vor einem duelle mit felix l. stellte eine schriftliche erklärung aus, er sey
vollkommen befriedigt und überzeugt, daß die geschichte erlogen sey! die-
ses document habe ich gesehen. carl l. ist hier auf dem lande, man will ihn
aus dem maltheserorden stoßen.
morgen heirathet hier in der englischen kapelle friderique hildprandt
ihren mr. thomas. heute habe ich mit tante lotty [fünfkirchen], hans ko-
lowrat und gabrielle die kleine aber sehr interessante Bildersammlung des
ministers kolowrat angesehen.
[Wien] 25. februar Aschermittwoche Abends
die letzten tage des nun begrabenen faschings waren ziemlich lebhaft, wir
hatten nicht weniger als drey kammerbälle, wovon der letztere, gestern, mit
einem souper verbunden war, welches wir der fürsorge der kaiserinn ver-
dankten, damit es uns ja nicht einfalle nach 12 uhr, also am Aschermittwo-
che, zu soupiren. mittwoch den 18. war ein großer Ball bey schwarzenberg,
welcher immer das événement der hiesigen saison ist. sonntag ein außeror-
dentlich hübscher und comfortabler Ball bey trautmannsdorf, etc. endlich,
last not least, die donnerstags- und die faschingdienstagsredoute, welche
letztere wie gewöhnlich voll und heiß zum ersticken war, und wo ich mich
wieder recht gut unterhielt. Auch war ich in diesen tagen auf einigen öffent-
lichen Bällen, u.a. einmahl im odeon, wo die beyspielloseste foule war, die
ich in dieser Art sah, so daß ich mit ein paar Andern, c. reischach, franz
hardegg, Pappenheim etc. eine stunde lang im foyer stand und wegen der
im Juli 1846 auch bestätigte. vgl. auch die weiteren Andeutungen über „hamburg“, v.a. die
einträge v. 3.4. und 24.6.1846, und den eintrag v. 15.7.1846.
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien