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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher570 von dort aus freyes spiel zu haben. Jedes mittel wäre mir recht, um mir eine stellung in jenem lande zu verschaffen, sogar eine heirath! – – [Wien] 29. märz Wir haben fast fortwährend das schönste Wetter von der Welt. der frühling und die vegetation sind jetzt schon weiter fortgeschritten als voriges Jahr ende April. in Polen ist nun wenigstens momentan Alles zu ende. doch glauben die gutunterrichteten, daß der vulcan noch nicht ausgebrannt sey. das Armee- korps hat cracau verlassen, und das hauptquartier ist jetzt in Wadowice, doch soll es in diesen tagen aufgelöst werden und lato Wrbna sammt den übrigen generalen zurückkommen. thassilo festetics, fritz und edmund schwarzenberg etc. sind schon lange wieder hier. fritz schwarzenberg er- zählt nach seiner Weise die interessantesten geschichten, se non sempre vero, almeno ben trovato. fml castiglione ist gouverneur von krakau. die untersuchungen gehen nun ihren gang, leider, wie es scheint, wieder nach unserer gewohnten manier langsam und tracassirend, zahlreiche verhaf- tungen (auch hier), endloses herumziehen im gefängnisse und dann nach Jahren kein resultat. da haben es die russen besser gemacht, 3 sind schon gehängt, 3–4 nach sibirien geschickt etc. ich würde die leute um ihren hals loosen lassen, ein dutzend aufhängen und Alle übrigen nach hause schik- ken. übrigens kommen nach und nach ganz kuriose sachen auf: der hiesige Provincial der kapuziner ist ganz in der stille weggebracht und wahrschein- lich wo eingesperrt worden, der hiesige vorstand des redemtoristen soll sich erhängt haben, sonderbar, daß man sogar in loco nichts gewisses darüber erfahren kann. es werden jetzt sitzungen über sitzungen gehalten, und unsere ohnehin sprichwörtlich hasenfüßigen machthaber sind noch klein- müthiger als sonst, weil sie das böse Beyspiel des Bauernaufstandes und nicht mit unrecht fürchten. die robothen in galizien (nur dort?) werden abgeschafft werden, über das Wie? ist man aber noch nicht einig. es sind dort allein jährlich 31 millionen robothtage, was wäre also für eine summe nöthig, um sie zu reluiren! Auch die Patrimonialgerichte gehen ein, in den aufrührerischen kreisen ist es bereits geschehen, in den andern wird es noch folgen. übrigens wird hier jeden tag eine andere neuigkeit erlogen, man sieht, daß die gemüther in Aufregung sind, neulich sprach man von unru- hen in mailand, in italien etc. ich bin gestern gefragt worden, ob ich als kreishauptmann nach galizien gehen wolle? ich antwortete natürlich mit Ja, hoffe aber, daß es dabey blei- ben werde, denn was ich jetzt vor Allem wünsche, ist hier zu bleiben, das allein taugt in meinen kram.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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