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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 576 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher576 gestern hat edmund hartig geheirathet und ist nach Böhmen und von da nach cassel abgereist. es ist schon ganz frühling und der Prater sehr besucht. in italien spukt es schon wieder, die polnischen und italienischen réfu- giés sollen sich vereiniget haben. Man spricht hier viel von einer Erfindung, die Carl Hügel und sein Ober- gärtner gemacht haben, und welche in einer neuen heitzmethode besteht, wodurch eine ungeheure holzersparniß möglich gemacht werden soll, er ist deßhalb nach Paris und london gereist, um Privilegien dort auszuwirken, hier soll er es bereits erhalten haben. nach und nach fangen aber einige Zweifel laut zu werden an. der hiesige gewerbverein und der berühmte Physiker Baumgartner haben sich, wie ich höre, ziemlich ungünstig aus- gesprochen. Andere leute wieder, z.B. der unternehmer des sophienbads Morawetz, behaupten, die Erfindung sey nicht neu etc. meinen Artikel über das recht der Arbeit (minimum) habe ich heute zurückerhalten. die redaktion der Allgemeinen Zeitung schickte ihn an Welsch (ich hatte mich nicht genannt) mit der Bemerkung zurück, daß sie ihn zur Aufnahme in ihr Blatt nicht für geeignet halte. und diese leute vermeinen die Welt regieren zu können!! mein ungarisches Zeitungsprojekt ist noch immer in suspenso, bey den jetzigen revirements in der ungarischen und siebenbürgischen kanzley (Jo- sika dringt immer mehr auf seine entlassung) ist da nichts zu machen, sondern man muß die zunächstbevorstehenden ereignisse abwarten. dage- gen spricht man jetzt auf einmahl von bevorstehenden erleichterungen der Presse, ja die heutige Allgemeine Zeitung hat einen Artikel von Zedlitz in diesem sinne.1 sehr möglich, daß sie es in diesen letzten Wochen eingese- hen haben, daß dieses niederhalten des geistes zu nichts gutem führt. ich aber glaube an nichts, besonders nicht in dieser richtung, ehe ich es nicht schwarz auf Weiß vor mir sehe. die hiesige ziemlich zahlreiche und mächtige Jesuitenparthey, welche Anfangs über die theilnahme des klerus am polnischen Aufstande ganz verblüfft war, hat sich nun ein ganz eigenes subterfugium ausgesonnen, es seyen nämlich diese aufrührerischen Priester keine gutgesinnten, d.h. ultramontanen, sondern solche gewesen, welche hier erzogen und von den Josephinischen Lehren inficirt gewesen seyen. Bombelles setzte mir dieses 1 Allgemeine Zeitung v. 15.4.1846, 839: Wien. der ungezeichnete Artikel bringt zwei kurze meldungen zur Presse. das Zensurkollegium habe seine Arbeit aufgenommen, wodurch die schriftstellerpetition vom vorigen Jahr (vgl. dazu einträge v. 25.3. und 30.4.1845) erledigt wird, und eine Anzahl von redakteuren habe sich beraten „über verbesserungen der ta- gespresse in Wien, soweit dieß in ihrem vermögen liegt.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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