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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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57723. April 1846 neulich sehr ausführlich und eifrig auseinander. übrigens sind diese Jesui- tenfreunde jetzt oft in verlegenheit: diese polnischen geschichten und vor Allem der kaiser nicolaus, welcher einerseits als Autokrat ihr idol, ande- rerseits aber wegen seiner verfolgung des catholicismus ihr Abscheu ist, setzt sie sehr oft mit sich selber in Widerspruch. in dem Aprilhefte der deutschen vierteljahrsschrift steht ein vortreff- licher Aufsatz: die Proletarier des Adels, welcher eine reorganisation des deutschen Adels ganz in meinem, d.h. englischen sinne vorschlägt.1 möch- ten doch dergleichen ideen im Publikum und namentlich unter den regie- renden Wurzel fassen! [Wien] 23. April es ist wieder einmahl auf louis Philippe geschossen worden, und zwar von einem weggeschickten förster in fontainebleau namens lecomte. sonst gibt es nicht viel neues in der politischen Welt als den jähen sturz des brutalen korporals narvaez, die Aktien meines freundes espartero sind nun wieder im steigen. die kaiserinn von rußland soll sehr übel seyn und neapel nicht so bald verlassen können, wer weiß, ob sie ihr reich je- mals wieder sieht. in Polen muß man jetzt den erfolg des neuen Patentes abwarten, mittlerweilen hört man noch immer von häufigen Excessen der Bauern, welche nicht robothen wollen und besonders im tarnowerkreise förmlich organisirt sind, der sogenannte Bauernkönig Zella treibt dort sein unwesen.2 erzherzog ferdinand geht nächstens nach galizien zurück, wie- wohl selbst rußland förmlich seine Abberufung begehrt haben soll, fml hammerstein wird kommandirender general an retsey’s stelle, wegen der Aufhebung der Patrimonialgerichte wird noch immer verhandelt. meine tante Waldstein und caroline sind hier auf mehrere Wochen, ca- roline ist schöner als je. gestern sang Jenny lind zum ersten mahle in der norma auf der Wie- den, wie ich höre ein entsetzlicher furore, am selben Abende tanzte fanny elssler im kärnthnerthortheater ebenfalls zum 1. mahle. die oper ist sehr gut, heute gab man Lucia di Lammermoor ganz vortrefflich, Signora Hayes, fraschini und colletti. 1 deutsche vierteljahrsschrift 1846, 2. heft, 284–301: die Proletarier des Adels. darin wird der englische Adel als positives, der französische als negatives Beispiel genannt: „ob der deutsche Adel dem Beispiel des englischen Adels folgen wird, der ehre und macht hat, oder dem Beispiel des französischen Adels, der weder ehre noch macht hat, davon großentheils wird im laufe dieses Jahrhunderts abhängen das schicksal deutschlands, europas“ (291). 2 gemeint ist wohl der Bauernführer Jakob szela, über den später marie v. ebner-eschen- bach eine novelle schrieb.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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