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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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58528. Mai 1846 sen, daß ich ende Juny oder Anfangs July auf meiner reise nach helgoland dahin kommen werde. ich hoffe, durch ihn einige nützliche Bekanntschaften zu machen, vielleicht daß sich da eine Art von cameraderie, von commun- auté littéraire gründen läßt. ohne die geht es einmahl nicht. hier, in loco Wien, ist übrigens nichts zu machen, wenigstens vor der hand nicht. die kunstausstellung ist eröffnet,1 besser als die vorjährige, aber doch sehr mittelmäßig. der arme constant Palffy ist gestorben, der vater war neulich hier, ein Bild des Jammers. Auch carl Wenkheim sah ich neulich mit seiner schö- nen frau. die Waldsteins sind vor einigen tagen fort, ich begleitete sie noch mit neipperg zur eisenbahn, ein paar tage früher hatte ich noch mit ihnen, fürstinn christiane [colloredo] (die nun auch fort ist), Julie Bellegarde, hol- stein, neipperg etc. eine recht hübsche Parthie nach laxenburg gemacht, überhaupt war ich in der letzten Zeit viel bey colloredo gewesen. die ge- wöhnlichen gäste waren von damen Wilhelmine Auersperg, lori sternberg, rosine czernin, gabrielle, caroline Waldstein etc., auch marie lobkowitz, Julie Bellegarde etc. Auch mathilde Berchtold ist neulich nach Presburg, wo sie den sommer zubringen will, ich gedenke sie da zu besuchen. die frau ist jetzt schöner als je, eine originelle erscheinung, diese unbefangene, reine gefühls- und sinn- lichkeitsnatur. neulich erschoß sich im Burgtheater während des stückes ein junger mensch im Parterre, gerade als auf der Bühne ein schuß geschehen sollte. leider war ich nicht dabey. doch kam ich kurz darauf und sah nichts mehr als das Blut und die Polizey-commissaire. die russische kaiserinn wird nun die österreichische monarchie schon verlassen haben. sie war 2 tage in salzburg, wo sie gegen erzherzog Johann und erzherzog Albrecht sehr unhöflich war (sie lud beyde nicht einmahl zu tische ein). nach linz fuhr ihr unsere kaiserinn entgegen, eine höchst un- nöthige höflichkeit, besonders bey dem impertinenten Benehmen derselben in florenz, venedig und salzburg, übrigens soll sie auch in neapel nichts weniger als freundlich gewesen seyn. Als der kaiser im dezember hier war, ließ man ihn hereinkommen wie einen schneider, weder in Bruck, wo er 36 stunden saß, noch in gloggnitz noch hier wurde er von irgend Jemand empfangen, und jetzt rennen erz- herzoge und kaiserinnen durcheinander, welche consequenz? überhaupt nimmt unsere entente cordiale mit rußland nichts weniger als zu, wenn wir dabey nur nicht so namenlos dumm, schwach und jämmerlich erschienen, könnten wir uns trösten. 1 die Jahresausstellung der Akademie der bildenden künste.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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