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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 596 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher596 Warum gibt man im Burgtheater nie dergleichen stücke? oder wenigstens nationale, wie raupachs hohenstaufische dramen etc., welche man hier täglich angekündiget sieht? Weil man sich vor jeder politischen Anspielung, ohne die es einmahl nicht abgeht, fürchtet, das ist aber ebenso dumm als erbärmlich, freylich unter einem 72jährigen schafskopfe wie moritz diet- richstein kann das theater nicht das werden, was es seyn sollte.1 eine vortreffliche Anstalt hat leipzig an dem sogenannten museum in der Petersstraße, welches eine auf dem großartigsten fuße eingerichtete lese- anstalt ist. mittwochs den 8. also verließ ich leipzig, fuhr auf der eisenbahn über cöthen nach magdeburg, hinter cöthen fängt eigentlich der norddeutsche charakter der gegend an. die unabsehbare langweilige ebene ohne Wald, bloß korn-, hafer- und runkelrübenfelder, letztere besonders, da es in mag- deburg viele Zuckerfabriken gibt, dazwischen Windmühlen ohne ende. Auch magdeburg hat einen ganz eigenthümlichen düsteren langweiligen charak- ter von verfallener größe und stiller langweile. ich stieg da herum und en- nuyirte mich weidlich, sah das denkmal des kaisers otto etc. um 1/2 4 fuhr ich wieder ab. von oschersleben, wo sich die Bahnen nach halberstadt und Braunschweig trennen, gewinnt die gegend einen ganz andern, höchst liebli- chen und interessanten Anstrich. links der harz und der Brocken, rechts an- muthige hügel, dazwischen üppige felder, freylich auch ziemlich viel moor- grund und sumpf, und über der ganzen gegend eine gewisse ruhe, stille und isolirtheit (denn wie in ganz norddeutschland sind auch hier nur sehr wenige, dagegen große und nett aussehende dörfer, jedoch keine zerstreu- ten Wohnungen, so daß man oft viertelstundenlang weit und breit nichts menschliches entdeckt) und eine menge störche, welche majestätisch auf und ab spatzieren, kurz das ganze erinnert einen lebhaft daran, daß man in dem stammlande der alten germanen ist. Wolfenbüttel liegt mitten in dieser freundlichen gegend. gegen 7 uhr waren wir in Braunschweig. seit lange hat kein ort einen so unendlich angenehmen eindruck auf mich gemacht wie Braunschweig. diese noch ganz echte unverfälschte norddeutsche Bauart mit den geschnitzten kleinen fenstern und den eines über das andere vorsprin- genden stockwerken, die herrlichen Anlagen um die stadt mit den köstli- chen gartenhäusern darin, kurz Alles gefiel mir außerordentlich, wozu auch noch ein excellenter gasthof: hôtel d’Angleterre, kam, wo man nicht an table d’hôte, sondern in seinem Zimmer aß. Am selben tage sah ich noch im thea- ter, welches sehr hübsch und ganz vorzüglich ausgestattet ist, ein stück des elisir d’Amore mit der fischer-Achten, herrn Pöck etc. tags darauf sah ich 1 Als oberstkämmerer hatte graf moritz v. dietrichstein auch die oberleitung über das Burgtheater.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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