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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher600 manuscripte über oesterrreich, die seit längerer Zeit bey ihm liegen, wie er denn überhaupt von dort eine menge schriften, meist mist, zugesendet erhalte. ich rieth ihm, nur wirklich Ausgezeichnetes zu drucken, nicht die Quantität, nur die Qualität könne wirken, ja jene sogar dem eindrucke des wahrhaft guten schaden. Was ihre wiederholten Aufforderungen anbelangt, so antwortete ich Anfangs campe unter 4 Augen, daß ich kein Bücherma- cher von Profession sey, und daß eine neue schrift im Wesentlichen doch nur eine Wiederholung des gesagten seyn würde, zu einem ganzen Buche (mit neuen gedanken) aber sey ein äußerer Anstoß nicht vorhanden, eher noch zu einzelnen Artikeln, und daher bedauere ich, daß er kein politisches Jour- nal habe. Aber die letzte galgenpredigt bey dem besagten Abschiedsessen machte, ich läugne es nicht, einigen eindruck auf mich, um so mehr, als sie mit meinen eigenen gedanken und halbausgearbeiteten Plänen in einigem einklange stand, und dieses beschäftigt mich nun stark, so sehr mir auch der hiesige Badearzt dr. von Aschen ruhe anempfohlen hat. Wie wäre es, wenn ich meine ideen in einer reihe von nach einander erscheinenden Brie- fen à la Junius’ letters niederlegte?1 Also mein famoses schreiben hat campe erhalten, ich sagte ihm, es sey für J. chr. siemens in holstein bestimmt gewesen, er, der sich auf derglei- chen dinge versteht, bewies mir, daß er eröffnet worden sey.2 Auch trägt er das Postzeichen Wien 12. februar, während ich ihn doch am 9. (11.) aus den händen gab. so wissen denn die leute um das geheimniß und sagten und thaten (?) doch nichts – – was bedeutet dieß? oder sollten sie doch nichts wissen, und der Brief trotz der Adresse hofmann und campe den Argus- augen des cabinet noir entgangen seyn? ich glaube beynahe das letztere. übrigens sind campe und schuselka in den religiösen controversen bis über die ohren befangen, schuselka als enthusiastischer deutsch katholik, so sehr ich ihm auch zuredete, dieses feld wenigstens rücksichtlich oester- reichs sowol im interesse des politischen fortschrittes unseres vaterlandes als in seinem eigenen (denn er leidet doch stark am heimweh) zu verlassen, er aber erblickt darin die Zukunft der Welt, campe dagegen rein als negi- rende natur, der das ganze christenthum zusammenschmeißen will und sich wahrhaft kindisch auf ein paar Werke freut, die er dazu im Anmarsche hat (namentlich ein merkwürdiges Werk von daumer in nürnberg, welches gräuelthaten ohne Zahl, menschenopfer etc. des christenthums enthüllen 1 die als „Junius letters“ von 1768–1772 im londoner Public Advertiser erschienenen an- onymen Artikel zum Zustand von staat und gesellschaft in england wurden bereits 1772 vom herausgeber der Zeitschrift erstmals in Buchform publiziert. 2 vgl. zur geschichte dieses Briefes eintrag v. 13.2.1846.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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