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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher602 anderer Personen, dann ist gewöhnlich noch conversation auf der terrasse vor dem hause, ein großes fest ist die Ankunft eines dampfbootes von ham- burg oder Bremen, welches 3 bis 4 mal wöchentlich statthat. das Wetter war übrigens bis jetzt noch fast immer schlecht, d.h. kalt und stürmisch, gestern sogar so daß eine Zeit lang die überfahrt nach der düne ausgesetzt werden mußte. dr. Aschen ist mit der bisherigen Wirkung der seebäder auf mich sehr zufrieden, sie echauffiren mich gar nicht, sondern schwächen mich und nehmen mir manchmal (jedoch nun seit ein paar tagen weniger) den kopf so ein, daß ich mich kaum mit etwas beschäftigen kann. das ist mir nun sehr unangenehm, weil ich gerade jetzt nach langem hin- und hergrübeln dann doch zu dem entschlusse gekommen bin, campes Begehren zu erfüllen und einen 2. theil zu oesterreichs Zukunft zu schreiben. nach reiflichem überlegen habe ich mich für die Briefform entschlossen, erstlich wegen der leichtern Behandlungsweise in dieser form (denn so leicht mir die ideen im kopfe von statten gehen, so besitze ich doch noch zu wenig schriftstellerische gewandtheit und routine, um sie mit leichtigkeit zu Papiere zu bringen), und dann weil mir diese form die möglichkeit darbietet, auch späterhin bey sich ergebenden Anlässen fortsetzungen, auch allenfalls nur einzelne Briefe, à la Junius letters, folgen zu lassen. ich habe denn damit angefangen und denke nun rüstig fortzuarbeiten, insoweit es mir nämlich meine cur und mein kopf gestatten. die seeluft ist an und für sich schon eine prächtige cur, und diese genießt man hier im vollsten maaße. dieser rothe sandsteinfelsen mitten im wei- ten ozean hat wirklich etwas höchst eigenthümliches, neulich fuhren wir, die Breuners, ich etc. um die insel herum, sahen mörners gatt, Jung gatt, die nonne, den halb eingestürzten Pfaffen etc., wirklich überraschende und großartige felsenformationen mitten im meere. graf goës ist in Wien gestorben. dadurch sind eine menge stellen leer geworden, wieder eine neue verlegenheit für unsere machthaber, welche sich nie zu einer ernennung entschließen können. die bodenlos dumme geschichte mit dem hofmusikgrafen ist dahin beygelegt, daß leopold Pod- statzky und nicht der gazettirte und anfänglich ernannte Adolph zu dieser stelle bestimmt worden ist. erzherzog ferdinand hat endlich bon gré mal gré seine demission genommen, rudolph stadion ist hofkommissär für galizien, und leo thun soll ihm beygegeben seyn, schreibt gabrielle,1 ich 1 graf rudolf stadion, gouverneur in Brünn, wurde als „außerordentlich bevollmächtigter hof-commissär“ mit der Aufgabe nach galizien entsandt, „daß derselbe, mit der Amtsge- walt meiner vereinigten hofkanzlei versehen, im lande selbst persönlich wirksam auf- trete, alle zur Beruhigung der grundbesitzer und unterthanen erforderlichen maßregeln
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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