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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 603 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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60327. Juli 1846 gestehe zu meiner schande, daß mich diese letztere nachricht etwas unan- genehm berührt und zu meinem entschlusse, wieder als schriftsteller auf- zutreten, vielleicht den letzten Anstoß gegeben hat. es ist nicht eifersucht, nicht neid, aber Ärger über eine Bevorzugung, welche in Allem so sichtlich hervor tritt und die er einem (freylich ohne sein dazuthun, wenigstens weiß ich von einer solchen nichts) mir abgeborgten falschen schimmer verdankt,1 verbunden mit einer mir nichts weniger als angenehmen Persönlichkeit und mit meiner überzeugung, daß er nichts weiter ist, als eine secundaire intel- ligenz mit bloß provinciellen und noch dazu undeutschen tendenzen. übrigens hört man aus galizien die seltsamsten dinge. der ganze Adel ist plötzlich russomane geworden, studirt russisch mit einer Art von Wuth und begehrt laut, russisch zu werden. dahin also hätten wir es gebracht. ist aber diese neue erscheinung ein natürliches resultat der letzten ereignisse, was sehr begreiflich wäre, oder ein bloßer umtrieb der Propaganda? endlich haben wir in oesterreich die gewerbefreyheit erhalten, wobey jedoch die Zünfte, wo sie bestehen, als körperschaften, jedoch ohne irgend einen Zunftzwang beybehalten werden, ein großer fortschritt. lord J. russell’s kabinett ist constituirt. victrix causa diis placuit, sed victa catoni. nie ist ein mann so schön gefallen wie Peel. in norddeutsch- land spricht man nun vornehmlich von den Zeitungsverbothen (Bremer- und Weserzeitung), die der gekrönte hanswurst in Berlin neuerlich erlassen hat. dieser hundsfott wird es noch dahin bringen, daß selbst die lammherzigen Berliner ihn davon jagen. Auch canitz ist schon zu grunde gerichtet und mehr todt als lebend. [helgoland] 27. July heute habe ich mein 10. seebad genommen. Anfangs wirkten diese Bäder sehr schwächend auf mich, und nach dem 5. trat ein ziemlich bedeutendes unwohlseyn mit einem leichten fieber ein, seitdem aber habe ich mich er- holt, und seit ein paar tagen hat auch die Betäubung des kopfes aufgehört, in übereinstimmung und Zusammenhang bringe, für die kräftige möglichst schnelle voll- ziehung der diesfälligen öffentlichen Anordnungen sorge trage, außerdem aber darauf ein- wirke, daß die als angemessen erkannten organischen einrichtungen und verbesserungen der wahrgenommenen mängel in der politischen verwaltung schnell und vollständig ermit- telt, gewählt und vorbereitet, und endlich zweckmäßig durchgeführt werden“ (kaiserliches handschreiben v. 2.7.1842). stadion beigegeben wurde graf leo thun. vgl. zu dieser mis- sion Josef Alexander frh. v. helfert, graf leo thun in galizien. größtentheils nach Briefen und handschriftlichen Aufzeichnungen; in: Österreichisches Jahrbuch 17 (1893) 57–146, Zitat des handschreibens 67f. 1 Am 24.6.1846 hatte Andrian über das gerücht berichtet, graf leo thun wäre der Autor von österreich und dessen Zukunft.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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