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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher608 dem meere, so daß man keine 20 schritte vor sich sah. im nachhausefahren vom Bade, ich fuhr mit den gräfinnen kufstein und Bernstorf, zertheilte sich plötzlich ein theil des nebels, und man sah wie in der luft schwebend oder wie eine fata morgana die kuppel des leuchtthurmes und das rothe dach des hauses, wo kufstein wohnen, es war ein superber Anblick. neulich hatten wir eine sehr hübsche Parthie mit Prinz Albert, An- haltcöthen, Bernstorf, kufstein, Breuner etc. etc., wir fuhren nach 5 uhr auf den dorschfang, wo auch ich ziemlich glücklich war, dann auf die düne, wo ein goûter bestellt war. da wurden die sandhügel erklettert, weil die damen behaupteten, die Aussicht sey von oben schöner! erst spät, gegen 11, fuhren wir nach hause beym schönsten seeleuchten. heute war ein diner bey mohr auf der oberen terrasse, ungefähr diesel- ben leute minus coethen und Breuner, dafür aber meine alte Antipathie consul hübner aus leipzig, der seit gestern hier ist, und dessen diplomati- sches staatskanzleyriechendes gesicht ich durch allerhand staatsgefährliche Witze aus dem geleise zu bringen suchte. überhaupt aber werden mir diese hoheiten, mit denen man immer und überall zusammentrifft, nachgerade etwas lästig. diesen Abend ist wieder ein solcher spaß, rout beym gouver- neuer und immer dieselben leute. gräfin kufstein und Bernstorf sind übri- gens sehr liebenswürdig, desto langweiliger aber die Andern. die holsteinschen stände haben sich musterhaft benommen, geradeso wie das holsteinsche volk selbst bey der versammlung zu neumünster. diese ernste, feste, gemäßigte sprache muß Wirkung hervorbringen. nun sind sie freywillig und trotz der vorstellungen des königlichen commissärs auseinandergegangen, weil sie unter diesen umständen, und da ihnen sogar das Petitionsrecht verweigert werde, nichts weiter zu thun hätten. der kö- nigliche commissär hatte nämlich auf ausdrücklichen Befehl die Annahme der Adresse verweigert, welche die stände wider den offenen Brief über- reicht haben, nun gehen die Acten an die Bundesversammlung. Auch die deutsche Advocatenversammlung in kiel ist untersagt worden und wird statt dessen in hamburg statthaben. Wie soll das Alles enden? der könig soll bey seiner Ankunft in föhr mit Zischen und geschrey empfangen worden seyn. es ist merkwürdig, was die leute hier für einen gesunden politischen sinn hat [sic], man sieht es hier recht, wie das selfgovernment zur Ausbil- dung und reife des characters beyträgt, und was wir herrenknechte, vom höchsten bis zum niedersten herab, für misérable, verkrüppelte menschen sind. helgoland ist vielleicht das am wenigsten regierte land der Welt. das einzige Zeichen der englischen Autorität ist der gouverneur, welcher übri- gens auf die Administration keinen andern einfluß hat als den, in recurs- fällen 2. instanz zu seyn. sonst regiert helgoland ein rath von 6 Personen,
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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