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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher618 wäre es ein hafen. von helsingoer fuhren wir nach helsingborg hinüber auf schwedischen Boden, von wo ich mit noch zwey herren (einer davon war, wie ich später erfuhr, der sohn des spielpächters in ramlösa) auf einer fürch- terlichen stoßmaschine nach dem Badeorte ramlösa [fuhr], welcher aber jetzt schon ganz leer war. überhaupt gebährdet sich hier alles schon ganz herbstlich, so daß mir ganz ängstlich zu muthe werden möchte. ramlösa liegt sehr schön, mitten in Waldungen, nota bene, schwedischen, oder nordi- schen Waldungen, wo die Bäume mindestens 3 mal so hoch sind als bey uns. überhaupt sah ich nirgends einen Baumwuchs wie hier. diese himmelhohen herrlichen eichen und Buchen haben etwas so imposantes, als stünde man, ein Zwerg, einem volke von düsteren, stolzen, schweigsamen riesen gegen- über. von comforts ist übrigens da keine rede. schlechte hölzerne häuser, kurz mehr als nordische einfachheit und stille. um 3 fuhr ich mit demsel- ben dampfschiffe wieder noch helsingoer zurück. die Aussicht von einem der thürme von cronborg, welches, obwohl un- geheuer stark befestiget, dennoch mehr einem Pallaste als einer festung in der Bauart ähnelt, ist superb. landskrona, die ganze schwedische küste bis zu den majestätischen cullenfelsen,1 der kattegat und sund, die odinshöi (höhe), hveen, helsingör etc. Auch die kirche in der festung ist sehr schön, mit lauter deutschen inschriften und sprüchen, während jetzt die dänen ihr kauderwelsch mit gewalt zu einer sprache stempeln und sich von ihrem eigentlichen vaterlande deutschland lossagen, ja sogar deutsche dänisiren wollen!! das königliche schloß marienlust bey helsingör liegt sehr reizend am meere, ein kleiner obelisk am Parke bezeichnet die stelle, wo hamlet liegt (?). es ist wirklich interessant die masse von schiffen jeder größe zu sehen, die fortwährend durch den sund gehen. der sundzoll soll dänemark über 2 millionen reichsbankthaler eintragen. gestern gegen 10 uhr früh verließ ich helsingoer in einem von der Post gemietheten Wagen und fuhr nach fredensborg, einem königlichen schlosse, wo Prinzessinn Juliane, schwester des königs wohnt. ich ging da im Parke, recte Walde, spatzieren. die grandiose stille eines nordischen Waldes frap- pirte mich hier mehr als je. die Bäume wieder von einer colossalen höhe. nach frederiksborg ist von da noch 1 1/4 meile. das schloß ist superb, mit- ten im see erbaut, die königlichen gemächer sind sehr schön und reich, die fensterscheiben voll wohl verwahrter inschriften von hohen händen, u.a. von der unglücklichen königinn mathilde: o god keep me innocent, and 1 gemeint ist der kullenberg.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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