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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher622 sonnambula ziemlich schlecht, am 2. gab man zu meiner großen freude das Ballett: giselle, Ausstattung, costumes, decorationen, maschinerie etc. so prachtvoll und gelungen wie nirgend sonst in europa, aber der Ballettmei- ster, der es hier in scene setzte, hat die wundervolle Poesie desselben nicht verstanden, und so entstanden arge bévues, welche mich, der aus diesem Ballette ein studium gemacht habe, bitter kränkten, ja sogar das herrliche Pas de deux im 2. Akte, der glanzpunkt des ganzen, wegblieb und durch ein anderes ersetzt wurde. corps de ballet übrigens und auch die soloparthieen mittelmäßig. ich habe ein paar male mit handel, resseguier und mehreren jüngern diplomaten hier im club, sogenannt casino, gegessen, sonst bey mielentz oder zuhause. neulich machte green hier eine luftfahrt, leider ließ ich mich durch das ungewisse Wetter abhalten hinzugehen. franz stadion soll einen coup de tête gemacht und sein gouvernement in triest verlassen haben, um nicht mehr zurück zu kehren, ich sah ihn im letz- ten momente, ehe ich mich einschiffte, in copenhagen, ohne jedoch mit ihm zu sprechen. die sache erscheint mir, wenigstens so wie sie erzählt wird, als etwas unwahrscheinlich.1 von politischen dingen ist es hier wie immer zu dieser Jahreszeit sehr stille. schleswig-holstein steht noch immer im vordergrunde, und nach dem verhalten der hiesigen Zeitungen, und nach dem was man sonst hört, scheint oesterreich weit geneigter als Preußen, zu gunsten der deutschen nationalität ein entschiedenes Wort zu sprechen. unglaublich, aber gott wolle, daß dem so wäre! der sturm von Adressen und Petitionen in deutsch- land nimmt immer zu. die vielbesprochene „königlich preußische constitution“ dürfte nun dennoch ende dieses Jahres erscheinen.2 das wird etwas schönes seyn. manchmal wäre ich wirklich versucht, der Ansicht campe’s in hamburg beyzupflichten, welcher überzeugt ist, daß in kurzer Zeit eine totale und gewaltsame revolution über deutschland hereinbrechen werde! gott wolle es verhüten, aber wenn man es so mit ansieht, wie die deutschen fürsten, kaum 2 oder 3 ausgenommen, hausen, so könnte man es wahrhaftig nicht mißbilligen. es ist dahin gekommen, daß wir die legitimität repraesentiren und die regierungen die usurpation. 1 graf franz stadion hatte nach Andrians späteren informationen tatsächlich seine demis- sion eingereicht, diese aber wieder zurückgezogen, und blieb darauf bis zu seiner ernen- nung zum Gouverneur von Galizien im April 1847 in Triest; vgl. Eintrag v. 22.9.1846. 2 die schaffung eines preußischen generallandtags wurde erst am 3.2.1847 verkündet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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