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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 637 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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6374. November 1846 und unter den gegenwärtigen verhältnissen für unentbehrlich ansieht. da- gegen halte ich nichts darauf, sondern möchte vielmehr alle diese staaten im staate auflösen, und zwar eben durch eine gemeindeverfassung, welche den gemeinden die Besorgung nicht nur ihrer communal- sondern auch der öffentlichen Angelegenheiten (rekrutirung, steuereinhebung, kataster, Polizei etc.) übertrüge, daher alle diese politischen Behörden unterster in- stanz, herrschaftsämter, Bezirkscommissariate etc. entbehrlich machen würde. ich glaube, daß die Aristokratie wie in england sehr wohl ohne der- gleichen grundherrliche rechte bestehen kann, und finde einmal den Begriff eines herrschaftlichen unterthans mit dem eines freyen staatsbürgers un- verträglich. in diesem sinne ungefähr, jedoch ohne auf die Aufhebung des grundherrlichen nexus, sondern nur auf die Auflassung der administrativen gewalt der herrschaften anzutragen, hatte ich mich in meiner schrift aus- gesprochen, und darüber hatten wir dann eine lange diskussion. doblhoff meinte, ich fiele dadurch ganz aus meiner rolle als vertheidiger des territo- rialadels, meine vorschläge seyen wenigstens für den Augenblick nicht aus- führbar, und sie würden den eindruck der schrift auf jene classe, für welche ich doch vorzüglich schriebe, nämlich die landstände, gewaltig schwächen. diese letztere einwendung war für mich die entscheidendste, und so ent- schloß ich mich, wiewohl ungern, im letzten Augenblicke zu einigen jedoch unbedeutenden Änderungen im Ausdrucke, so daß ich, statt die Aufhebung der herrschaftsämter als politische Behörden unmittelbar zu verlangen, nur von einer verminderung ihrer Attributionen in folge eines selbstständige- ren gemeindewesens spreche und eine gänzliche Aufhebung derselben nur in eine fernere Aussicht stelle. man muß zuweilen der unmittelbaren Wir- kung wegen und den vorurtheilen der leute zu liebe, zu denen man spricht, etwas von der eigenen überzeugung für den Augenblick zum opfer bringen. doch weiß ich noch nicht, ob ich recht daran gethan habe. neulich war Bauernfeld bey mir, um mich aufzufordern, eine Adresse mit zu unterzeichnen, welche mehrere männer hier an kuranda bey gelegenheit seiner neuerlichen (unerhörten) Ausweisung aus Berlin zu erlassen geden- ken. ich aber lehnte es ab, indem ich Bauernfeld bemerklich machte, daß, da ich bisher bey ähnlichen Anlässen noch nie hervorgetreten sey, dieses gleich- sam ein implicites geständniß wäre (oder doch als solches ausgelegt werden dürfte), daß ich seine neuliche indiskretion in den grenzboten gebilligt wo nicht gar selbst hervorgerufen habe. in diesem momente würde mir dieses als ein mangel an takt erschienen seyn, was auch Bauernfeld vollkommen einleuchtete, lieber aber wäre es mir gewesen, wenn man mich bey dieser sache ganz aus dem spiele gelassen hätte, denn ich läugne nicht, daß es mir unangenehm wäre, wenn kuranda (der die Adresse höchst wahrschein- lich nächstens abdrucken lassen wird) meine Weigerung erführe, denn ich
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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