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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher644 hätten, sich an und über mich zu machen! das ding kömmt mir vor, wie eine scene aus dem „geisterseher“ oder „das enthüllte Wien“ etc. toni kinsky, der gemahl der verrückten Anna Zichy, hat sich in sehu- schitz erhängt. [Wien] 1. dezember heute ist der erste schnee gefallen, sonst hatten wir in diesen letzten 8 ta- gen ein echtes novemberwetter, regen, nebel, koth etc. mein husten dau- ert noch immer fort, dazu litt ich in diesen tagen stark an hämorrhoiden und in deren folge an kopfschmerzen etc., so daß ich einen Abend, da ich mit gabrielle im Wiedner theater war, weggehen und mich zu Bett legen mußte. die englischen und französischen Zeitungen schimpfen jetzt ganz ent- setzlich über uns wegen krakau und geben uns auf unsere elende lüge wegen des vertrags vom 3. may 1815 die schlagendsten Antworten. die französischen Blätter sprechen davon, Basel und genf zu nehmen, hünin- gen zu befestigen etc., denn der ganze Wiener kongreß sey jetzt vernichtet etc., so dürfte wieder der deutsche michel das Bad ausgießen. die engli- schen Zeitungen aber benehmen sich bisher ganz taktlos und miserabel und schimpfen nur immer über frankreich, welches durch die unglück- selige spanische heirath1 die entente cordiale zwischen frankreich und england gelockert und somit den nordischen mächten den muth gegeben habe, jenen staatsstreich zu vollführen, auch beschuldigen sie guizot, wohl mit unrecht, des einverständnisses mit uns. Aus krakau selbst hört man nichts neues, aus galizien wenig gutes, große theuerung, überhand- nehmendes standrecht etc. es wird jetzt sogar im casino (wo die lichten- steins grassiren!!) von Politik gesprochen, und ich habe erst neulich den offiziellen regierungslobhudler lato Wrbna derb abgetrumpft, welcher mit seiner gewöhnlichen Zuversichtlichkeit das dumme gewäsch des Be- obachters wiederholen wollte. überhaupt fange ich an, so ganz friedlich zu agitiren, und finde dafür im casino einen ganz unverhofft günstigen Bo- den, so demonstrirte ich z.B. neulich vor ziemlich vielen Zuhörern, wie wir eigentlich de jure noch gegenwärtig ein durchaus konstitutionelles land seyen, was die Wenigsten unter ihnen wußten, so steht es um unsern poli- tischen sinn! ich habe schon ein paar Aushängebogen von meiner schrift erhalten und bin damit recht zufrieden. der russische thronfolger ist auf einige tage hieher gekommen, um die 1 Zur heirat der spanischen Prinzessin luisa fernanda mit einem sohn des französischen königs louis Philippe vgl. eintrag v. 22.9.1846.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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