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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 651 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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65119. Jänner 1847 für die kurze Zeit meines Aufenthaltes und als ein nichttänzer nicht pas- send fand, und daher nur jene Bekanntschaften gemacht, welche ich in ir- gend einem salon, bey diners etc. begegnete, nach und nach aber wird dieses so ziemlich der größere theil der gesellschaft seyn, so war ich z.B. gestern Abends bey irène zum thee mit mehrern damen (welche hier meistentheils jung und sehr hübsch sind, 2 in Wien unbekannte dinge), gräfinn töring, Jemima montgelas, leopoldine Arco etc. neulich ging ich mit den Busecks rottmanns herrliche griechische land- schaften ansehen, welche in der Burg aufgestellt sind und in die neue Pina- cothek kommen sollen, ebenso auch die schönen neuen marmorsäle au rez-de chaussée mit sehr schönen Wandgemählden aus der odyssée von hellmes- berger.1 Auch die schönheitengallerie des königs habe ich gesehen, worin als neueste Acquisition lola montez prangt, dann der thronsaal mit den 12 ver- goldeten statuen von schwanthaler, bayerische regenten vorstellend. fritz Bothmer erzählte mir neulich, daß ein m. James horrocks, Augustes schwager, hier sey und mich zu sehen wünsche, er war bey mir, und ich bey ihm, doch haben wir uns beyde verfehlt. mama horrocks und ihre ledigen töchter sollen in manheim leben, Auguste sammt gemahl und kind, denn sie hat schon eines, in Weimar. ich würde James gerne sehen und von ihm erfahren, wie es ihnen geht, denn Auguste hat mir, ich weiß nicht warum, seit ihrer verheirathung nicht geschrieben. der Palatinus ist am 13. früh gestorben, jetzt wird es also ernst, und der landtag wird wohl schon im sommer zusammentreten, daher auch ich frü- her als ich dachte zu thun bekommen. ich habe weder von campe noch von Welsch nachrichten, binnen 8 tagen aber muß ich welche bekommen. Jedenfalls aber reise ich in 8 tagen weiter, denn auf die länge wäre mir münchen doch langweilig. ich habe hier eigent- lich gar nichts Anderes zu thun, als das erscheinen meines Buchs abzuwar- ten, um dann mit diesem in der hand in Augsburg vor kolb zu treten und mit ihm das Weitere zu verhandeln, sollte sich dieses aber wider verhoffen zu lange verziehen, so werde ich nichtsdestoweniger mit kolb sprechen, un- angenehm aber ist mir dieser Zeitverlust auf jeden fall. in der schweiz, in freyburg, hat es wieder so einen dummen Putsch gege- ben. da aber die helden auf beyden seiten davon liefen, so blieb Alles beym Alten, d.h. die regierung siegte, und die katholiken, Jesuiten etc. dort und anderswo triumphiren, elendes volk die schweizer.2 Auch senfft, ein ultra- 1 der gemäldezyklus in der münchener residenz stammt von Julius schnorr v. carolsfeld, wie Andrian auf den namen hellmesberger kommt, ist unklar. 2 ein Aufstand gegen die ultramontane regierung des kantons freiburg (mitglied des son- derbunds) wurde Anfang Jänner niedergeschlagen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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