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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher652 katholik, jammmerte mir neulich über lola montez. Bayern würde durch diese geschichte seine bisherige schöne – !! – rolle als verfechter des catho- licismus verlieren. die französischen kammern sind eröffnet, das Journal des débats gibt nun die diplomatische correspondenz wegen krakau vollständig, ich bin auf die Adreßdebatten neugierig. seit einigen tagen haben wir ganz gelinde schöne Witterung, neulich reg- nete es sogar ein wenig und wurde in folge dessen so glatt, daß ich, zum glücke an einem einsamen orte, mit solcher gewalt hinschlug, daß ich mich noch am Boden drehte und über meinen eigenen fall in ein helles gelächter ausbrach. heute habe ich die noch nicht ganz vollendete Basilika gesehen, ein groß- artiges magnifiques Bauwerk, im innern in der Art der marcuskirche in ve- nedig, daran angebaut ist in demselben style ein Benediktinerkloster (!) und an dieses, vis-à-vis der glyptothek, das Palais der kunstausstellung im edel- sten griechischen styl. [münchen] 25. Jänner Abends morgen früh 11 uhr reise ich ab mit der eisenbahn nach Augsburg. campe hat geantwortet, und zwar ganz befriedigend. ende dieses monats oder in der ersten februarwoche wird die erste sendung in Wien in kurs kommen, er hat wegen des verlagsverbothes eine erdichtete firma ludwig giese (so heißt seine frau) darauf gesetzt und ist wüthend über diesen streich unse- rer regierung, mit der er offen in kampf treten will, besonders aber ist er wider cotta und die Allgemeine Zeitung aufgebracht, welche einige von ihm eingesandte Ankündigungen ablehnte. er hat mir ein exemplar direkt hie- her gesandt, das ich aber leider noch nicht erhielt. ich habe diese tage in gewohnter Weise zugebracht, d.h. mit nichtsthun, diners, flaniren, und gelegentlich einige merkwürdigkeiten ansehen, so sah ich schwanthaler und kaulbachs Atelier, die erzgießerey mit der kolossalen Bavaria,1 die königliche glasmalerey, die residenz mit der schönheitengal- lerie (darin als letzte lola montez) und dem thronsaale mit den 12 schönen vergoldeten statuen von schwanthaler, 12 Ahnherrn des hauses Bayern Zweybrücken vorstellend, die schöne Aukirche, dem mailänder dom nach- gebildet, etc. Alles sehr schön, doch aber geht dem könige die großartigkeit des geschmackes ab, wie ihn z.B. napoleon hatte, er schafft einzelne schöne (ebensowohl aber verunglückte oder unpassende) Bauwerke, aber fragmen- tarisch, da und dort, ein großartiger Plan, ein ganzes, ein imposanter ge- 1 die über 18 m hohe statue der Bavaria, gegossen von ferdinand v. miller nach einem ent- wurf von ludwig v. schwanthaler.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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