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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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65923. Februar 1847 ernst lerchenfeld, regierungssekretär dahier, von großem nutzen ist. üb- rigens sind die gutsherrlichen verhältnisse in Bayern nicht mehr, ja in man- cher hinsicht noch weniger entwickelt als bey uns, es gibt noch ungemes- sene roboth und gar kein gesetz über die fixirung oder Ablösung derselben oder der Zehnten und sonstigen grundabgaben, außer bey den grundholden des staates, welcher freylich in Bayern der größte grundherr ist. in franken und den nördlichen Provinzen sind diese gefälle, namentlich die robothen, sehr unbedeutend, dagegen in Altbayern sehr viele Bauerngründe noch auf leibrecht, also nicht einmahl vererblich sind. dagegen ist das gemeindewe- sen sehr gut und namentlich das – so schwierige – verhältniß des grund- herrn zur gemeinde aufs Beste bestimmt, er ist nämlich in Allem ein mit- glied derselben, nur seine herrschaftlichen gefälle sind von gemeindelasten frey. von Wien höre ich nicht viel neues, ob das Buch bereits dort sey oder nicht, weiß ich ebenfalls nicht. onkel ferdinand ist nun mit der durch- lesung desselben fertig geworden und meint, ich werde es mit beyden Par- theyen verderben, denn dem liberalen Publikum (in deutschland) werde es nicht genügen, für dieses schreibe ich ja aber nicht, sondern für die prakti- schen männer in oesterreich, wo es liberale in dem norddeutschen sinne noch nicht gibt, das Buch soll ein discours-ministre seyn und kein theoreti- sches system. Wenn der ungeheure schnee mich nicht am Weiterreisen hindert, so will ich also am 17. oder 18. abfahren, länger halte ich es nicht mehr aus. die famose preußische verfassung ist also endlich am 3. dieses monats erschienen,1 ein merkwürdiges specimen königlicher insolenz, welche heut- zutage so ein elendes machwerk noch für möglich hält. die leute hat gott verlassen und mit Blindheit geschlagen. übrigens sind die gesammtstände auf den 11. April berufen. in den französischen kammern salbadern guizot, thiers etc. über krakau und die spanischen heirathen, im englischen Parlamente sind diese fragen noch zu keiner rechten erörterung gekommen, denn diesem gibt das furcht- bare elend in irland zu viel zu thun. heute fuhr ich lenchen im schlitten nach neusass, einer elenden kneipe, wo die hiesige schöne Welt zu kaffeh und kücheln zusammen kömmt. Prag 23. februar Abends die letzten tage in Ansbach vergingen ziemlich langweilig, wir hatten, da es die letzten tage des carnevals waren, ein paar höchst langweilige Be- suche von masken, theils Bekannten, theils Bürgern der stadt. Am letzten 1 die schaffung eines preußischen generallandtags, die am 3.2.1847 verkündet wurde.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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