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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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66718. März 1847 len keinen eid ablegen,1 darüber die gewöhnliche große verlegenheit, fürst metternich schimpft und Apponyi wackelt. lumpenpack. neuerlichst war eine emeute in münchen, das haus der lola montes wurde, während der könig darin war, bestürmt und gesteinigt, le dénou- ement approche. hier circulirt das entlassungsgesuch der minister, ein merkwürdiges Actenstück,2 die Allgemeine Zeitung benimmt sich so schuf- tig wie immer. ich habe bereits die satisfaction zu sehen, daß die meisten meiner vor- schläge von den niederösterreichischen ständen zu den ihren gemacht wor- den sind, so z.B. die entwerfung einer gemeindeordnung mit ausdrückli- cher Zugrundelegung der lombardischen etc. etc. die preußische regierung hat der unsrigen angezeigt, daß sie bey der nächsten Bundestagssitzung den Antrag auf Aufhebung der censur für alle schriften ohne unterschied, mit Ausnahme der periodischen Presse, stellen werde. Darüber abermalige Verzweiflung unserer Machthaber, man spricht sogar von einführung eines Bücherstempels!! das wäre denn doch gar zu arg, und ich wäre der erste, der als moderner John hampden mich exequi- ren ließe, lieber als mich diesem Beschlusse zu fügen.3 [Wien] 18. märz diese Zeit ist für mich so ziemlich voll, jeder tag bringt etwas neues, ich bin mitten in, vielleicht bald der mittelpunkt einer bedeutenden Bewe- gung, so daß es mir manchmal vorkömmt, als stünde der große Wende- punkt oesterreichs schon ganz nahe bevor. es wirkt aber auch so manches zusammen: vor Allem der nothstand, durch die theuerung herbeygeführt, die wieder ihrerseits viele fabrikanten zwingt, ihre Arbeiter zu entlassen. heute war die erste emeute (in mariahilf), wo ein Bäckerladen gestürmt wurde. Bis zur ernte wird es wohl noch ärger kommen, denn die regierung hat auch hier wieder gar nichts gethan, weder korneinkäufe noch sonst et- was, im gegentheile sie läßt die fremden regierungen hier, d.h. in ungarn, getreide aufkaufen!! nun zittern sie vor dem, was ihre ungeschicklichkeit verschuldet. 1 Als statthalter von ungarn, vgl. eintrag v. 2.2.1847. 2 Anlass für die entlassung des bayerischen ministeriums Abel am 17.2.1847 war sein Wi- derstand gegen die verleihung des bayerischen indigenats an lola montez, die geliebte könig ludwig i. in einem memorandum hatten die minister ihre haltung begründet und u.a. darauf hingewiesen, dass der geforderte schritt die treue der Armee in frage stelle. falls der könig auf seiner forderung bestehe, boten sie den rücktritt an. 3 John hampden verweigerte 1636 die Zahlung einer vom könig ohne Zustimmung des eng- lischen Parlaments erlassenen steuer (ship money) und wurde dadurch zum symbol des ständischen Widerstands gegen die Ausweitung der königlichen macht.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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