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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 675 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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6759. April 1847 so eben erschienen, worin ich hart mitgenommen, plump und dumm ge- scholten und ein „trotziger vasall und hohnschnaubender raubritter aus der feudalzeit“ genannt werde (der verfasser kennt übrigens erst meinen 1. theil), übrigens scheint mir das Buch, so viel ich davon gelesen, sehr gut, entschieden antibureaucratisch (freylich auch gegen die Aristokratie) und für den fortschritt und Preßfreyheit.1 – – die hindernisse, welche die Polizey der verbreitung meines Buches entgegen setzt, sind enorm und we- nigstens hier von leider nur zu großem erfolg, an 300 exemplare liegen auf der censur, und selbst leuten wie latour und ficquelmont wurde es erga schedam verweigert. dagegen verkauft man es in den Provinzen, nament- lich in Prag, beynahe öffentlich. Auch schreibt campe, daß er bisher nur sehr wenig nachträgliche Bestellungen erhalten habe. mit deym habe ich natürlich oft und viel verhandelt, doch sind wir weit auseinander, er ist reiner legist und will nicht weiter als der Buchstabe. dazu hat er kein vertrauen auf erfolg, so daß er mich zuweilen auf Augen- blicke selbst herabstimmt, er weiß, wie wenig Wurzeln die stände im volke haben, und will doch nichts zur Abhülfe thun, sondern meint, wenn die re- gierung diese aufhebe, so käme dann die constitution von selber, und dann werde er als deputirter auftreten. grundfalsch nach meiner Ansicht. Am 28. dieses monats ist landtagsschluß und am 3. mai ständische ver- sammlung, wo alle die wichtigen gegenstände vorkommen werden, in un- serer regierung herrscht vollständige demoralisation, die leute qui habent aurem regiam, z.B. fritz schwarzenberg, lato Wrbna etc. sagen es laut, man müsse suchen, sich so gut wie möglich noch 10–15 Jahre zu halten, dann komme der communismus!! dazu müsse man sich auf die massen und ihre Dreschflegel stützen. – – Man spricht sogar vom Austritte aus dem deutschen Bunde. Alles dieses soufflire ich dann an den gehörigen Orten und weise auf die folgen, wenn damit auch der 13. Artikel der Bundesakte außer kraft träte.2 Bey einer solchen rath- und trostlosigkeit muß man auf Alles gefaßt seyn und daher vor Allem Andern sich nicht überraschen lassen. lamberg hat einen prächtigen Antrag auf reform in Administration und Justiz, öffentlichkeit des Budgets etc. vorbereitet, den er am nächsten landtage aus Anlaß des letzten hirnwüthigen Anlehens vorbringen will, ich habe ihm denselben zurechtgesetzt und soll ihm nun behülflich seyn. gegenstimmen zu „oesterreich und seine Zukunft“. ignaz kurandas Artikel ist gedruckt in rietra, Wirkungsgeschichte, 145f. 1 matthias koch, oesterreichs innere Politik mit Beziehung auf die verfassungsfrage (stutt- gart 1847). die auf Andrian bezüglichen stellen sind gedruckt in rietra, Wirkungsge- schichte, 120f. 2 Artikel Xiii der deutschen Bundesakte v. 8.6.1915 lautet: „in allen Bundesstaaten wird eine landständische Verfassung statt finden.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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