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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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67720. April 1847 sis weitere nachforschungen machen will) und sodann verabredetermaßen an kolb wegen der zukünftig festzusetzenden Bedingungen schreiben. Auch meine Abrechnung mit campe (von dem Auersperg mir einige ganz schmut- zige geschichten erzählte, die er auch an mir probiren zu wollen scheinet) schwebt noch immer, wird aber wohl jetzt durch Welsch, der dieser tage zur ostermesse nach leipzig geht, zu stande gebracht werden. mörings bewuß- tes Manuscript befindet sich bereits im Auslande.1 die grenzboten brachten neulich einen Artikel über das Anleihen, jedoch nicht den seinigen, und zu- gleich einen andern Aufsatz, worin eine Parallele zwischen mir und simon in Breslau gezogen wird.2 kübeck soll in großen verlegenheiten seyn durch die bey der zunehmenden noth und durch die vom Auslande her einströ- menden staatspapiere (die er nothwendig kaufen muß, um ihr sinken zu verhüten, denn fallen sie um 10%, so sind die contrahenten des Anlehens vertragsmäßig ihrer Verpflichtungen enthoben), und über das Unsinnige des letzten Anlehens scheinen den leuten dann doch auch endlich, zu spät, die Augen aufzugehen. hilft nicht der himmel durch eine gute ernte, so purzelt der große mann. Bis nun stehen die saaten gut, doch ist es noch verzweifelt kalt, gestern früh hatten wir 0° r und neulich sogar ein schneewetter. gabrielle war ziemlich ernstlich krank, eine grippe mit fieber und ner- venabspannung, jetzt geht es aber wieder besser. die arme toni esterhazy ist dagegen sehr gefährlich krank, und ich bin sehr besorgt um ihr leben. das große ereigniß, welches Alle Andern in sich absorbirt, ist die am 11. erfolgte eröffnung des preußischen vereinigten landtags und die hirn- wüthige thronrede des königs. donnerstag in der letzten soirée bey dobl- hoff ward sie vorgetragen und erregte allgemeine indignation. tags darauf kam doblhoff ganz entmuthiget zu mir und lamentirte 2 stunden lang über die folgen, welche nach seiner Ansicht diese rede auf uns und die entwik- kelung des ständischen Principes bey uns haben wird. ich beschwichtigte ihn, so gut ich konnte, denn ich sehe in jeder Aufregung der geister bey uns einen großen gewinn, und diese wird erfolgen, mag nun der Ausgang in Preußen so oder anders seyn. Zu einem gewaltstreiche sind übrigens unsere regierer zu schwach und zu furchtsam. und schließlich hänge ich nicht wie doblhoff am ständischen Princip quand même. fällt dieses über den haufen, so kömmt etwas andres, jedenfalls aber fortschritt wenn auch ein bischen stoßweise, für mich fürchte ich selbst eine revolution nicht. 1 Zur publizistischen Arbeit karl moerings im vormärz und seiner Beziehung zu Andrian vgl. Adam Wandruszka, karl moering. ein deutscher soldat und Politiker aus dem alten Österreich; in: MIÖG 53 (1939) 79–185. 2 die grenzboten. Zeitschrift für Politik und literatur 6 (1847), i. semester, ii. Bd., 24–27: Das österreichische Anlehen. Aus Wien; und 36–37: Aus Wien: Barion Andriany [sic] und heinrich simon. Beide Artikel sind mit einem kürzel gezeichnet.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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