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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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70520. August 1847 cognito, um ihn an sein Wort zu erinnern. Auch sonst habe ich schon lange keine Briefe und möchte doch so gerne wissen, ob in der heimath nichts vor- gegangen ist. lerchenfeld kömmt dieser tage nach manheim und schrieb es mir, doch werde ich nicht hinkommen, da ich ohnehin in circa 14 tagen zu ihm aufs land gehe. die herzoginn von nassau und mit ihr fräulein v. mentzingen sind nach Petersburg, ich habe daher keine ursache nach Wiesbaden zu ge- hen, dahlmann dürfte ich auch in Bonn nicht mehr treffen, und so werde ich directe bis düsseldorf fahren und mich da ein wenig aufhalten. schorlemer zu besuchen, ist etwas weit und dürfte wohl die mühe nicht lohnen, vincke oder sonst einen interessanten mann dortiger gegend kennen zu lernen, werde ich wohl kaum gelegenheit haben, und so denke ich von hier zwischen 26. und 28. abzureisen. im grunde zieht es mich nachhause, um zu hören, was es neues gibt. der ungarische landtag soll am 12. november beginnen, daher die comitatssitzungen wegen der instructionen Anfangs oktober, so daß ich um die mitte kommenden monats zu hause seyn muß, um nichts zu versäumen. dennoch gehe ich sehr ungern von hier weg, denn ich lebe hier sehr angenehm, habe zwar sehr wenig damen-, aber um so mehr männer- bekanntschaften gemacht, darunter einige sehr angenehme. mein haupt- umgang sind: Blücher, münchhausen (ein original), Berlichingen, lotzbeck etc. ich frühstücke meistens des morgens in lichtenthal oder auf der Pro- menade, dann sitze ich ziemlich lange bey horrocks oder begleite Ann eliza, welche sich in einem handwägelchen umherführen läßt. unsere flirtation geht immer besser, sie ist eine allerliebste muthwillige graziöse kleine co- quette und amusirt mich sehr. Auguste sehe ich viel weniger, da ich beynahe nie hingehe, doch sind wir sehr gute freunde, und sie will jetzt meine bey- den theile ins englische übersetzen, welche idee ich ihr gab. sie arbeitet eben an der übersetzung von menzel’s geschichte der deutschen1 und will nun dazwischen meine schrift erscheinen lassen. im übrigen ist die familie ziemlich langweilig, und wäre Ann eliza nicht, so würde ich nicht oft hinaus- kommen. ich esse meist in gesellschaft an einer table d’hôte oder bey haug restau- rant. Abends ist musik, Ball etc., und da die hitze wahrhaft drückend ist, so sitze ich mit Blücher, falkner, otterstedt etc. oft bis nach mitternacht vor dem conversationshause und lasse mir von Blücher, qui es grand, mais non pas beau parleur, geschichten von hiesigen Aventuriers, scandals etc. etc. der vorigen Jahre erzählen. dieses Jahr haben wir bis jetzt davon nicht viele gehabt. 1 Wolfgang menzel, history of germany from the earliest period to the present time. trans- lated by mrs. george horrocks. 3 Bde. (london 1848–1849).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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