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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 710 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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Tagebücher710 vincke sitzt zuhause auf seinem gute etc., endlich fehlt es mir an der Zeit, und so übergab ich geyer nicht nur seinen, sondern auch noch einen an- dern Brief Wickenburgs an herrn v. schorlemer in lippstadt (die einzigen Briefe, die ich in Wien erhalten konnte). übrigens hätte mir geyer jedenfalls wahrscheinlich sehr wenig genützt, denn ich fand in ihm einen eingefleisch- ten, preußisch-loyalen (und man weiß, was das sagen will) militair, und ganz gleichgesinnt waren die, die ich bey ihm fand: zwey damen, seine schwäge- rinnen glaube ich, und ein anderer schon älterer offizier. ich ließ mir dann von ihnen über das preußische landwehr- und militärsystem etc. erzählen etc. und ging dann nach hause. Wenn das gerücht wahr ist, daß der könig von sardinien sich offen für den Pabst erklärt und gegen die Besetzung von ferrara protestirt hat, so wäre das für uns höchst wichtig, hat er es aber noch nicht gethan, so wird er es gewiß bald thun, denn er ist in italien unser gefährlichster feind. eine große dummheit, die wir in letzter Zeit begangen haben, ist die lieferung von Waffen und munition an luzern und den sonderbund,1 die transporte werden nun von allen seiten angehalten, und man kann sich denken, was das für lärmen macht, überhaupt spielen wir in der schweiz (wie überall) eine scheißrolle, nur daß wir anderwärts als gefoppte, hier aber als Aufhetzer erscheinen. dienstag den 31. ging ich des morgens in das Atelier des Professors hil- denbrand, der eben ein schönes Bild, desdemona den erzählungen othellos lauschend, in der Arbeit hat, er schien mir auch sonst ein sehr geistvoller mann. um 11 fuhr ich nach coeln zurück, wo ich gleich aufs dampfboot ging, das um 1/2 1 abfuhr. Abends 9 uhr war ich in coblenz, wo ich über- nachtete, tags darauf um 9 abfuhr und um 6 nachmittag in mainz war. dort mußte ich 2 1/2 stunden verlieren, bis der eisenbahnzug nach frankfurt abging. um 1/2 10 war ich hier und wohne im hôtel d’Angleterre. in Wien soll ein censurkollegium errichtet werden, bestehend aus – Po- lizeydirector martinez und 2 Polizeybeamten, rekursinstanz bleibt die Poli- zeyhofstelle und sedlnitzky! das nennt man doch den leuten unverschämt sand in die Augen streuen! heinersreuth 8. september in frankfurt besuchte ich vor Allem nobili, welcher mir mehreres über die Besetzung von ferrara, unter andern einen officiellen (von schönhals 1 der sonderbund der schweizer kantone luzern, Zug, schwyz, oberwalden, uri, freiburg und Wallis hatte sich in seinem Konflikt mit den Mehrheitskantonen an Österreich um unterstützung gewandt. der krieg endete im november 1847 mit der niederlage des son- derbundes.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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