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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 719 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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7197. Oktober 1847 terpellation in der bayerischen und badischen kammer wegen verletzung der Bundesgesetze habe ich angeklopft, kurz wir wehren uns unserer haut so gut es geht. die Zeit für solche coups d’état ist vorüber, namentlich für eine decrepite in verachtung versunkene regierung wie die unsrige. Auch an kolb habe ich einen, etwas verblümteren, Artikel über diesen gegenstand gesendet und zugleich einige Worte der Widerlegung gegen einen dummen Artikel angehängt, welcher neulich in der Allgemeinen Zeitung erschien, worin die stände Böhmens mit ungegründeten und schalen vorwürfen der unwissenheit, unpraktischen sinnes, mangels an einfluß und Wurzel im volke etc. angegriffen worden (leider nicht überall mit unrecht).1 das ist wohl der Anfang eines Preßkrieges, der uns noch bevorsteht, und wobey wir freylich censurscheren und regierungseinfluß gegen uns haben. doblhoff und deym werden mir wahrscheinlich Antworten schicken. Bergenthals Broschüre, schreibt mir deym, über die böhmische verfas- sungsfrage soll nächstens erscheinen. Zugleich hat er mir ein langes opus über den böhmischen landtag dieses Jahres zur ersten hälfte eingeschickt, damit ich ihm mein urtheil darüber sage, es ist wie Alles, was er schreibt, äußerst prolix, handelt de omnibus rebus et quibusdam aliis, übrigens habe ich es erst durchgeblättert. die Bruchure „guther rath etc.“2 macht viel mehr Aufsehen, als sie eigentlich verdient – tant mieux. Am 29. erschien plötzlich eine Allerhöchste entschließung, worin der An- kauf von industriepapieren durch den staat définitiv eingestellt, d.h. die betreffende cassa aufgelöst wurde, also binnen 10 tagen 3mal das entge- gengesetzte, e sempre bene. der staat hatte seit 19. 15 millionen kaufen müssen und ein Anleihen von 20 millionen an der Bank gemacht! Wo soll das hinführen? übrigens hatten die Börsejuden ihre Papiere losgeschlagen, daher war die sensation dieser abermaligen verfügung nicht sehr groß, und die Papiere stehen jetzt schon wieder ziemlich gut. das resultat der ganzen sache ist, daß man den stockjobbers millionen in den rachen geworfen, aus unseren taschen, und daß Ansehen und credit der regierung noch tiefer ge- sunken sind. die italienischen vorgänge oder vielmehr der liberalismus des Pabstes machen auf den gemeinen mann, der sich bisher fast nie mit Politik 1 Allgemeine Zeitung v. 30.9.1847, 2182f: Aus Böhmen (ein Blick auf die gegenwärtige lage der stände in Böhmen). der anonyme Autor war Jan erazim (Johann erasmus) vocel, re- dakteur der Zeitschrift des böhmischen Landesmuseums Časopis českého musea, 1848/49 mitglied des österreichischen reichstags und von 1850 bis zu seinem tod 1871 Professor für böhmische Altertumskunde an der Prager universität. Andrians entgegnung darauf erschien am 30.10.1847, 2423f. 2 die anonyme, von karl moering über Anregung Andrians verfasste und über dessen ver- mitttlung bei Wilhelm Jurany gedruckte Broschüre guter rath für oesterreich. mit Bezug- nahme auf das Programm der liberalen Partei in ungarn (leipzig 1847).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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