Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
Page - 720 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 720 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

Image of the Page - 720 -

Image of the Page - 720 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

Text of the Page - 720 -

Tagebücher720 beschäftigte, einen gewaltigen eindruck, weil ihm zum ersten mahle reli- gion und fortschritt im Bunde gezeigt werden. dazu wird trotz der guten ernte das Brot immer theurer, und es ist ein herabgehen der Preise kaum zu erwarten, indem die kartoffeln immer mehr verderben. in ungarn dürfte die opposition wahrscheinlich an der ständetafel die majorität oder doch gleichheit der stimmen haben. es sind jetzt täglich hoffeste wegen der vermählung erzherzog ferdi- nands von modena mit der erzherzogin elisabeth, bey welcher auch ich zu- gegen war als loyaler kämmerling. valentin esterhazy ist jetzt hier, gestern waren wir zusammen in dem neuen interimstheater im odeon.1 die 12 mäd- chen in uniform, solchen mist hört und belacht man auch nirgends mehr als hier, wann werde ich einmahl carl, scholz und nestroy hängen sehen?! egbert Belcredi war hier, ich fürchte, der mann wird weniger zu brauchen seyn als ich hoffte, solche unpraktische schwärmerische enthusiasten ma- chen solche stabile dummköpfe, wie es seine landsleute sind, nur ängstlich, statt sie mit sich fortzureißen. moering ist wieder in voller Arbeit, neulich gab ich ihm stoff für einen Aufsatz in die grenzboten über die letzten Börsengeschichten, zugleich la- borirt er an einer hypertranscendentalen unverständlichen Broschüre über österreichs nächste Aufgabe. ich komme mir manchmal vor wie eine filtrir- maschine. das Wetter ist nun schon seit 14 tagen scheußlich, beständiger regen, kalt und neblicht. um den herbst sind wir, fürchte ich, betrogen. [Wien] 15. oktober Abends es ist schon beynahe Winter, nach dem infamen regenwetter haben wir nun theils neblichte, theils schöne aber immer kalte tage. ich langweile mich hier über die maßen, es ist noch niemand hier, ausgenommen einige herren im casino, und ich muß aus verzweiflung beynahe täglich ins theater ge- hen. Auch ginge ich gerne fort, wenn es die staatsgeschäfte erlaubten, über- morgen will ich auf einige tage nach Würmla zu fünfkirchen, und [zu] Pepi Althann nach Zwentendorf, doch muß ich am 20. oder 21. wieder hier seyn, weil dann fritz deym kömmt, der nothwendig mit mir zu sprechen hat. von seinem opus über die österreichischen ständebewegungen habe ich nach seinem Wunsche den ersten Abschnitt an kolb zur einrückung in die Allgemeine Zeitung gesendet, auch eine ergrimmte Antwort deym’s auf den 1 Während des neubaus seines eigenen theaters in der Praterstraße spielte die truppe von carl carl von mai bis dezember 1847 im ebenfalls in der leopoldstadt gelegenen odeon, dem damals größten tanzsaal Wiens. das odeon brannte während der straßenkämpfe am 28.10.1848 vollständig nieder und wurde nicht mehr aufgebaut.
back to the  book „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I"
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“