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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 733 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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7333. Dezember 1847 krieg aus. der sonderbund hat sich nach allem Bramarbasiren schmälich fast ohne schwertstreich ergeben, reste a savoir ce qui suivra, ich hoffe ein system der mäßigung, nur um gotteswillen keine radicale reaction. die ganze sache hat hier beynahe fieberische Aufregung erregt, weit mehr als sie es verdiente. lato Wrbna und ähnliche maulhelden dreschen tage lang leeres stroh, über fritz schwarzenberg weiß man nichts Bestimmtes, doch dürfte er bald wieder hier eintreffen, ohne lorbeeren wie er gegangen. Aus Böhmen nichts neues, stadion ist ernannt,1 hier bereitet stifft einen Antrag auf völlige gleichstellung des 4. standes auch bey den ständischen versammlungen und auf eine sehr umfassende reorganisation des stän- dischen instituts, worüber ich heute eine lange conversation mit Breuner hatte. februar oder märz kommenden Jahres ist ständische versammlung, und bis dahin hoffe ich soweit in ordnung zu seyn, daß ich um das nieder- österreichische incolat einkommen kann, wobey mir Breuner, der das ora- kel der hiesigen landjunker ist, für den erfolg bürgt. doblhoff behauptet, Pergen werde bald seine verordnetenstelle niederlegen, und dann müsse ich sie erhalten. so viel ist gewiß, daß es nothwendig in meiner rolle liegt, eine avouirte politische stellung zu erlangen, und daß dieses nur auf diesem Wege geschehen kann. leider waren meine finanziellen verhältnisse nie so precär als jetzt. Papariano ist verkauft, und ich habe es zurücknehmen müs- sen und werde es jetzt mit bedeutendem verluste verkaufen müssen,2 ich schwebe in dieser Beziehung völlig in der luft, und hätte ich nicht glückli- cherweise gerade in dieser richtung einen so leichten sinn, so müßten meine haare grau werden. man wird es einst, spät, erfahren, wie groß das opfer war, welches ich brachte, als ich Anstellung und carrière aufgab. Jetzt muß ich es verbergen, denn nichts könnte meiner stellung mehr schaden, als wenn man meine wahre lage erführe. gabrielle ist meine rettung, hätte ich diese Perle nicht, so könnte ich mich nicht halten. Am 21. war katherinenredoute, wo ich eine ziemlich interessante Begeg- nung hatte mit einer fürstinn gagarin, welche sich mehrere monathe hier aufhielt, eine der geistreichsten masken, die mir noch vorgekommen. dar- aus entspann sich gegen meinen Willen eine ziemlich lebhafte correspon- denz, welche von ihrer seite sehr geistreich aber immer zärtlicher wurde, so daß mir, der ich keine lust hatte, da einen roman anzuknüpfen, ganz angst 1 graf rudolf stadion wurde am 23.11.1847 zum gubernialpräsidenten und oberstburggra- fen von Böhmen ernannt, der Amtsantritt erfolgte allerdings erst am 16.2.1848. der bishe- rige stellvertretende oberstburggraf graf robert salm war zwar bereits am 5.5.1847 zum Gouverneur in Triest ernannt worden, jedoch mit der Auflage, seinen Prager Posten bis zur Amtsübernahme durch einen nachfolger weiter zu führen. 2 Zu den vorgängen um die beabsichtigte versteigerung des familienguts Papariano siehe eintrag v. 17.12.1847.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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