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124 Invalidenschulung
Salzburg65 und installierte Vertreter „in Angelegenheiten der Invalidenschulen“.66
Diese sollten als Bindeglieder der dezentral aufgebauten Aktion fungieren, von der
man von Anfang an auch annahm, dass sie nicht auf die Kriegszeit beschränkt blei-
ben würde.67 Die neuen Lernmöglichkeiten wurden in den Sanitätsanstalten über
Plakate, Broschüren, Flugblätter und Wandervorträge beworben.68
Partner des Staates bei der Invalidenschulaktion waren nicht nur die Schulen des
öffentlichen Bildungswesens – allen voran die etwa 150 Staatsgewerbeschulen und
Gewerbeförderungsinstitute der österreichischen Reichshälfte,69 die meisten von ih-
nen im hoch industrialisierten Böhmen gelegen70 –, sondern auch private Lehran-
stalten und Initiativen.71 Die Lehrer wurden entweder von der Armee gestellt72 oder
und wurde von Dr. Rudolf Bernhart geleitet. Die Kurse (Buchhaltung, Kalkulation, Geschäftskorrespon-
denz, baugewerbliches/mechanisch-technisches/dekoratives Zeichnen sowie Fachzeichnen für Tischler,
Maschinschreiben und Stenografie) begannen im November 1915 ; K.k. Ministerium des Innern, Mit-
teilungen, 1915, S. 66.
65 Die Salzburger Schule war im Gebäude der Staatsgewerbeschule (Rudolfskai 42) untergebracht, das zu
jener Zeit als Abteilung des Reservespitals genutzt wurde ; K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen,
1916, S. 91.
66 Ebd., S. 139. Ursprünglich : „Vertrauensmann des Ministeriums für öffentliche Arbeiten in Angelegen-
heiten der Invalidenschulen“ ; K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1915, S. 65. Diese Funktion
bekleideten unter anderem Mauritz Balzarek und Franz Stifter. Der Oberösterreicher Balzarek (1872–
1945) war Architekt, Otto-Wagner-Schüler und Leiter der k. k. Staatsgewerbeschule in Linz, an die auch
eine Invalidenschule angeschlossen war ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1363, 24699/1918. Stifter, der
die Funktion seit Juni 1917 innehatte, war Schulrat in Oberösterreich ; ebd., Kt. 1363, 26460/1918.
67 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1915, S. 23.
68 Beispiele aus Böhmen : „Wie führen wir die Kriegsbeschädigten wieder in ihr Berufsleben zurück“
(Broschüre), „Einige Winke für schwer verwundete Soldaten“, „An die Kriegsbeschädigten aus unserer
Land- und Forstwirtschaft“ (Flugblätter) ; K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1917, S.
343. Für
Niederösterreich (Plakate) siehe K.k. Ministerium für soziale Fürsorge, Mitteilungen, 1918, S. 129 ; AT-
OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1360, 11941/1918. Zu den Wandervorträgen siehe K.k. Ministerium des
Innern, Mitteilungen, 1917, S. 335.
69 K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1915, S. 23.
70 Ebd., S. 71. In den südlichen Kronländern wurden die wenigsten Kurse für Kriegsbeschädigte angebo-
ten ; in Krain etwa begann die Invalidenschulung erst Anfang 1918 ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt.
1361, 14921/1918 ; ebd., Kt. 1358, 3659/1918.
71 Zwei Beispiele : Der Arbeitsausschuss für Soldatenunterricht des Patriotischen Hilfsvereins vom Roten
Kreuze für Niederösterreich bot Analphabeten-, Deutsch-, Kalkulations-, Sprach-, Maschinschreib- und
Stenografiekurse sowie eigene Kurse für kriegsbeschädigte Offiziere an ; K.k. Ministerium des Innern,
Mitteilungen, 1916, S. 208f. Nach eigenen Angaben hatte dieser Verein während des Krieges insgesamt
14.000 Männer unterrichtet ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1364, 1475/1918, Arbeitsausschuss an
StAfsF v. 14.11.1918. – Der Verein „Die Technik für die Kriegsinvaliden“ richtete im Reservespital Nr. 6
des Roten Kreuzes (Wien VI, Mollardgasse 87) Lehr- und Versuchswerkstätten für Kriegsbeschädigte
ein ; K.k. Ministerium des Innern, Mitteilungen, 1915, S. 7.
72 Das begrüßten die Landeskommissionen, denn sie wären budgetär nicht in der Lage gewesen, zwecks
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Die Wundes des Staates
- Subtitle
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Authors
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 586
- Categories
- Geschichte Nach 1918