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6 Die Verwaltung : Schwachpunkt der sozialen
Kriegsbeschädigtenfürsorge
Trotz aller Bemühungen und guten Absichten stellte sich bald heraus, dass eine soziale
Kriegsbeschädigtenfürsorge, wie sie theoretisch konzipiert worden war
– eine Fürsorge,
die am Einzelfall ansetzte und die Verletzten des Krieges ausreichend unterstützte –,
den Einsatz ganz anderer Mittel erfordert hätte. Die für die soziale Kriegsbeschädig-
tenfürsorge geschaffene Verwaltungsstruktur war von Anfang an hoffnungslos über-
fordert und finanziell unterdotiert.
Anhand zweier Bespiele – einer ersten Bestandsaufnahme, die im Frühjahr 1916
nur sehr dürftige Ergebnisse hinsichtlich der praktischen Einrichtung und Effizienz
der Büros der k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide erbrachte, und einer inter-
ministeriellen Besprechung, die sich im Mai 1917 mit den Landeskommissionen zur
Fürsorge für heimkehrende Krieger befasste – sollen im Folgenden die Probleme auf-
gerollt und konkret dargestellt werden. Die Beschreibung der dann unter der Ägide des
Ministeriums für soziale Fürsorge im Jahr 1918 unternommenen Reorganisation der
administrativen Strukturen, die zwar vor dem Ende des Krieges nur mehr in Ansätzen
verwirklicht werden konnte, aber nichtsdestotrotz die Grundlage für die Kriegsbe-
schädigtenfürsorge der Nachkriegszeit legte, schließt dieses Kapitel ab.
6.1 Inspektion und Werbekampagne 1916
Robert Weiss, Vorstand der Wiener k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide und
zugleich Konsulent des Innenministeriums in Fragen der Arbeitsvermittlung, begab
sich in den Monaten März und Mai des Jahres 1916 auf Dienstreisen nach Brünn,
Linz, Salzburg, Klagenfurt und Laibach.1 Er musste feststellen, dass die Landesstellen
der k. k. Arbeitsvermittlung an Kriegsinvalide an manchen Orten, wie zum Beispiel in
Klagenfurt, ein Jahr nach ihrer Installierung noch nicht aktiv geworden waren und an
1 Brünn : AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1553, Sa 8, 2745/1918. Linz : ebd., Kt. 1357, 2702/1918 ; ebd.,
Kt. 1357, 2550/1918. Salzburg : ebd., Kt. 1357, 2707/1918. Klagenfurt : ebd., Kt. 1357, 2722/1918. Lai-
bach : ebd., Kt. 1357, 2728/1918.
Die Wundes des Staates
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Die Wundes des Staates
- Subtitle
- Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
- Authors
- Verena Pawlowsky
- Harald Wendelin
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2015
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79598-8
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 586
- Categories
- Geschichte Nach 1918