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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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207Der „Zentralverband“ Nach massiven Auseinandersetzungen mit anderen Funktionären verließ Heinrich Gallos  – begleitet von heftigen Vorwürfen im Invaliden  – den Verein aber schließlich trotzdem noch im selben Jahr. Er war von nun an eine Persona non grata im Zentral- verband, der ihm vorwarf, immer nur Werkzeug anderer gewesen zu sein und maßlos ungeschickt agiert zu haben („der Mann ist nicht für die wirkliche Arbeit zu haben ; seine Stärke ist das Schimpfen und Poltern“,64 „Er verwechselt die Organisation mit seinem Orchester, und hier wie dort will er die erste Geige spielen. […] Er war unfähig. Sogar sein eifrigster Freund Hollitscher musste dies zugeben.“65). Gallos gründete im August 1922 im Invalidenheim Schloss Hetzendorf66 einen neuen Verein, den Verband der Schwerinvaliden und Hilflosen Österreichs.67 Von der monarchistischen Zeitschrift Staatswehr  – Leitspruch : „Schwarzgelb bis in die Knochen“  – medial unterstützt,68 lehnte sich der neue Verein eng an den damals erst im Aufbau begriffenen kleinen christlichsozialen Kriegsbeschädigtenverband,69 mit dem er die Büroräume teilte70 und in dem er schließlich auch aufging. Gallos pflegte zudem enge Beziehungen zu christ- lichsozialen Politikern, etwa zum Sozialminister (1922–1924) Richard Schmitz71 oder zum Minister für Heerwesen (1922–1933) und späteren kurzzeitigen Bundeskanzler (1930) Carl Vaugoin, der Gallos als seinen Freund bezeichnete.72 Die Zeitschrift des Zentralverbandes zog in den Folgejahren heftig über den Gründungsvater des Vereins her, warf dem Abtrünnigen Wucher und Korruption vor, prozessierte gegen ihn73 und unterstellte ihm  – ob zu Recht oder nicht  – neben seinem Naheverhältnis zu monar- chistischen Kreisen auch eines zu den „Hackenkreuzlern“.74 Heinrich Gallos polari- 64 „Der Kapellmeister als Sturmbock“, in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 7/8 v. 15.11.1922, S.  5–7, hier S.  6. 65 Ebd., S.  5. 66 Ebd., S.  6. 67 Dieser Verband nahm als Mitglieder nur Beschädigte ab einer MdE von 65 % auf. 68 Der Schwerbeschädigtenverband trug im Invaliden die Bezeichnung „Gallos-Verband“ ; Der Invalide, Nr. 8–11 v. November 1922, S.  2 ; vgl. auch „Der innere Feind“, in : ebd., S.  2f ; Staatswehr. Demokratisches Organ aller Offiziere und Militärbeamten Deutschösterreichs. Offizielles Organ der Berufsgagisten- Genossenschaft, Nr. 48 v. 16.12.1923, S.  1. 69 Zu diesem Verband vgl. genauer Kapitel 13.1.3. 70 H.T. [Helmut Thanel], Die Invalidenbewegung, in : Der österreichische Kriegsinvalide, Nr. 4 v. 14.4.1923, S.  1f, hier S.  2. 71 Der Invalide, Nr. 1 v. Juli 1923, S.  2f. 72 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1403, 19729/1922, Vaugoin an BMfSV v. 24.7.1922. 73 Zum Prozess des Obmannes des Wiener Landesverbandes Maximilian Brandeisz gegen Gallos siehe u. a. Staatswehr, Nr. 48 v. 16.12.1923, S.  1 ; zum Ehrenbeleidigungsprozess des Kassiers des Schwerbeschä- digtenverbandes gegen Mitglieder des Zentralverbandes siehe Der Invalide, Nr. 2 v. 1.10.1923, S.  6. 74 Z. B. „Die Wahrheit über den Gallos-Verband“, in : ebd., Nr. 1 v. Juli 1923, S.  3f ; siehe auch ebd., Nr. 2 v. 1.10.1923, S.  2–4 ; „Umgruppierung des Gallosverbandes“, in : ebd., Nr. 1 v. März 1924. Gallos trat
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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