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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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295Aufruhr und Beruhigung : Drei Beispiele Bankkurs, kaufmännisch-gewerbliche Kurse, Spezialkurse für Versicherungsträger, Maschin- schreiben, Stenographie, Schönschreiben und die Musikschule. Die Verwaltung der Schulen ist auf breitester demokratischer Grundlage aufgebaut. Diese Aufmunterung wird hoffentlich genügen, um recht vielen Kriegsbeschädigten, die bisher keinen Entschluß wegen ihrer Zukunft fassen konnten, den Weg zum Glücke neuer Selbständigkeit zu weisen.“196 Obwohl also die nicht-militärische Führung der Anlage  – wie sie der Zentralverband gefordert hatte  – gewährleistet war, ging die Schülerzahl im ersten Nachkriegsjahr zu- rück.197 Als Schule würde die Barackenstadt nicht weiter bestehen können, das wurde 1919 klar. Der Zentralverband wollte die Ressourcen aber dennoch nutzen und den Kriegsbeschädigten in neuer Art und Weise zukommen lassen. In gewisser Hinsicht stand für ihn außer Frage, dass die Invalidenschulen den Kriegsbeschädigten nicht nur dienen, sondern ihnen auch gehören sollten. Zu diesem Zweck wollte er eine Produk- tivgenossenschaft gründen, die dann die Schulen übernehmen und als Betrieb wei- terführen sollte.198 Geplant war dabei letztlich, eine Form der Betriebssozialisierung umzusetzen.199 In dieser Frage wurde der Zentralverband von den Staatsstellen unter- stützt, die spätestens seit Anfang 1920 einen Abbau der Invalidenschulen anstrebten und daher eine „Stabilisierung der Invalidenschulen, insbesondere auf genossenschaft- licher Grundlage“200 begrüßten. Darüber, ob und wie eine solche Ablösung der vom Staat getragenen Invalidenschulen durch eine sich selbst erhaltende Genossenschaft durchführbar war, wurde im Sommer 1920 zwischen den beteiligten Staatsämtern viel diskutiert.201 War es möglich, dass eine Genossenschaft einer bestimmten Anzahl von Kriegsbeschädigten eine dauerhafte Existenzgrundlage bot und zugleich die  – wenn auch als Auslaufmodell begriffene  – Schulung nachrückender Kriegsbeschädigter (so- wie verkrüppelter Kinder, wie das Hans Spitzy vehement forderte) übernahm und bei 196 „Die Invalidenschulen suchen Schüler. Die Kriegsbeschädigten melden sich nicht“, in : Große Ös- terreichische Volkszeitung v. 27.6.1919, S.  4f. Auch die Zeitung des Zentralverbandes warb für die Invalidenschulen ; Der Invalide, Nr. 4 v. 15.2.1919, S.  4. 197 AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1372, 9657/1920. Im Schuljahr 1918/1919 besuchten 1.000 Kriegs- beschädigte die Invalidenschulen. 198 Ebd., Kt. 1403, 19472/1922. Der Plan existierte seit Dezember 1918 ; ebd., Kt. 1403, 19472/1922, Vo- rakt 12994/1920, [Hollitscher], Expose betreffend die Vergenossenschaftung der : „Oe. INVALIDEN- SCHULEN“ Wien X. Schleiergasse. Diesen Pan vertrat Hollitscher auch in seiner Rede bei der ersten Generalversammlung der Wiener Ortsgruppe des Zentralverbandes am 9.2.1919 ; Der Invalide, Nr. 4 v. 15.2.1919, S.  6. 199 Ebd., Nr. 5 v. 1.3.1919, S.  1. 200 Z. B. AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1401, 16574/1922, Akt v. 16.4.1921. 201 Vor allem ebd., Kt. 1403, 19472/1922.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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