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Nach 1918
Die Wundes des Staates - Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
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314 Die Invalidenbewegung 9.3.1 Strukturdebatte und Stadt-Land-Gegensatz Johann Jakob Hollitscher hatte Mitte 1919, kurz nachdem er den Zentralverband ver- lassen hatte, ein föderalistisches System vorgeschlagen, das den Zusammenhalt der verschiedenen Strömungen innerhalb der sich zersplitternden Invalidenbewegung garantieren sollte. Der Begriff des Föderalismus war unglücklich gewählt,308 ging es Hollitscher doch weniger um ein territoriales Prinzip als um ein organisatorisches Modell. Er wollte als Leitungsgremium einen von autonomen Gruppen beschickten Dachverband installieren und fand, dass ein solches Delegiertensystem „rein psycho- logisch den Eigenheiten der einzelnen Gruppen […] vielmehr entgegen“ käme als das vom Zentralverband praktizierte Modell, die Funktionäre auf großen Verbandstagen direkt zu wählen ; sein Modell würde zugleich die Gefahr bannen, dass die Leitung „zu einem mit der Masse der [W]ählenden nicht mehr recht zusammenhängenden Herrschaftskörper“ würde.309 Die Führungsriege des Zentralverbandes, die in den Au- gen Hollitschers offenbar zu einem solchen „Herrschaftskörper“ geworden war, stand dieser Idee einer Repräsentanz aller Gegensätze bei gleichzeitig schwacher zentraler Leitung ablehnend gegenüber.310 Es war dabei vor allem Karl Egkher, bis August 1920 Schriftleiter des Invaliden, später Organisationsreferent des niederösterreichischen Landesverbandes,311 der das zentralistische (und damit auch hierarchischere) Modell favorisierte. Er stritt die Existenz der von Hollitscher angesprochenen verschiedenen Strömungen innerhalb der Invalidenschaft rundweg ab, sah in der „Annahme eines Interessengegensatzes zwischen Stadt- und Landinvaliden“ eine „Irreleitung“312 und plädierte für eine starke, zentrale und professionelle Führung mit Durchgriffsrecht gegenüber den untergeordneten Instanzen ; die ständig wechselnden Vertreter eines föderalistisch beschickten Gremiums schwächten seiner Meinung nach nicht nur das 308 Das hob auch der vermittelnde Heinrich Gallos hervor ; AT-OeStA/AdR BMfsV Kb, Kt. 1559, Sa 46, 25160/1919, Heinrich Gallos, An die Invaliden Deutschösterreichs !, v. September 1919. 309 Ebd., Kt. 1367, 23004/1919, Programm Dr. Hollitscher für den Umbau der Invalidenorganisation, v. 13.8.1919, S.  2 ; fragwürdig an Hollitschers Modell war die Tatsache, dass er der Mitgliederzahl der einzelnen im Dachverband zu vereinigenden Gruppen keine Bedeutung beimessen wollte ; ebd. S.  7 ; vgl. auch Der Invalide, Nr. 15 v. 1.8.1919, S.  4. 310 Z. B. ebd.; vgl. auch Julian Berger, Die Einigungsverhandlungen, in : Der Invalide, Sondernummer 4–5 v. 1919, S.  4f. 311 Zu Egkher siehe Der Invalide, Nr. 16 v. 1.9.1920 ; „Von unseren Landesverbänden“, in : Nachrichten Zentralverband, Nr. 7/8 v. 15.11.1922, S.  7. Später war Egkher Ständiger Vertreter vor der Schiedskom- mission ; „Rechenschaftsbericht des Verbandsvorstandes und Verbandhauptausschusses für die Zeit vom 1. Jänner 1926 bis 31. Dezember 1927“, in : Neues Werden. Offizielles Organ des Landesverbandes Niederösterreich der Kriegsinvaliden und Kriegershinterbliebenen, Nr. 6/7 v. Juni/Juli 1928, S.  8–32. 312 Karl Egkher, Zentralismus oder Föderalismus, in : Der Invalide, Nr. 14. v. 1.8.1920, S.  4f, hier S.  4.
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Die Wundes des Staates Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Die Wundes des Staates
Subtitle
Kriegsopfer und Sozialstaat in Österreich 1914–1938
Authors
Verena Pawlowsky
Harald Wendelin
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2015
Language
German
License
CC BY-NC 3.0
ISBN
978-3-205-79598-8
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
586
Categories
Geschichte Nach 1918
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